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7. Dezember 2012

Eine kleine Geschichte

Wieder kam der kleine Junge traurig vom Kindergarten nach Hause. Seine Freunde hatten ihn geärgert und beim Ballspiel nicht mitmachen lassen. Niedergeschlagen setze er sich an den Küchentisch und beobachtete seinen Wellensittich, wie er scheinbar zufrieden mit seinem Spiegelbild sprach. „Ich würde so gern mit dir tauschen, kleiner Hansi. Du hast so ein schönes Leben. Hast keine Sorgen und niemand ärgert dich.“, flüsterte der Junge dem Vogel zu. Doch dieser zwitscherte nur weiter mit seinem kleinen Spiegel, fraß ein paar Körnchen und steckte schließlich den Kopf ins Gefieder. Desinteressiert wandte sich der Junge ab.

Wie schade wäre es, wenn die Geschichte an dieser Stelle zu Ende wäre. Doch dem ist nicht so. Denn wie es so oft in Geschichten ist, in denen sich Kinder etwas wünschen, so kommt hier doch tatsächlich eine gute Fee vor. Die Fee hörte den Wunsch des kleinen Jungen und um ihm eine Freude zu machen, gewährte sie ihm seinen Wunsch.

Am nächsten Morgen erwachte der kleine Junge nicht in seinem Bett. Er hockte aus unerklärlicher Weise auf einem einfachen Stuhl. Neben ihm befand sich ein großer Wandspiegel und am Ende des Raums standen ein Teller mit belegten Broten und eine Kanne Mineralwasser. Verdutzt schaute er sich um. Er verstand nicht, was geschehen war. Er lief zur Tür, doch sie war abgeschlossen. Und so warf er einen Blick aus dem Fenster und erschrak. Eine riesige befiederte Gestalt stand dort, mindestens fünf Meter hoch! Die Gestalt gab fürchterliche unverständliche Laute von sich, so dass sich der kleine Junge in einer Ecke des Raumes zusammenrollte und weinte. Er wollte nach Hause. Er hatte Angst. Er war ganz allein.

Lange war der kleine Junge an diesem Ort. Er konnte den Raum nicht verlassen und hatte keinen einzigen Freund dort. Bald redete er mit seinem Spiegelbild und die belegten Brote mit Wasser als immer gleiche Mahlzeit machten ihm nichts mehr aus. Er gewöhnte sich an diese Eintönigkeit und Langeweile. Bald vergaß er, wie andere Menschen aussahen und auch seine richtige Sprache.

Aber so soll die Geschichte nicht enden. Schließlich besucht die gute Fee gern die Menschen, denen sie ihre Wünsche erfüllt. Doch als sie den kleinen Jungen nicht glücklich vorfand, wie sie erhofft hatte, musste sie doch einmal in Erfahrung bringen, was hier falsch gelaufen war.

Und so zeigte sich eines Tages die gute Fee dem kleinen Jungen. „Du wolltest leben wie dein Wellensittich. Diesen Wunsch habe ich dir erfüllt. Doch warum bist du nicht zufrieden damit?“, fragte die Fee und sah den Jungen eindringlich an. Er hockte auf seinem Stuhl und schaukelte mit dem Oberkörper vor und zurück. Beinahe sah es so aus, als würde er zu einer Melodie schunkeln, die nur er hören könnte. Aber er hörte keine Melodie. Er war geistig woanders, versuchte dieser Welt zu entfliehen. Die gute Fee bekam keine Antwort und da beschloss sie, in die Zeit einzugreifen. So durfte der kleine Junge nicht enden und in diesem Zustand könnte er auch nicht einfach zu seiner Familie zurück. Die gute Fee verstreute etwas Feenstaub und ein Zauber setzte sich in Gang.

Der Junge kam wieder traurig vom Kindergarten nach Hause. Seine Freunde hatten ihn geärgert und einfach beim Ballspiel außen vor gelassen. Er setzte sich niedergeschlagen an den Küchentisch und schaute zu seinem Wellensittich.

Es war, als wäre nichts geschehen.

Aber die gute Fee hat nicht nur die Zeit zurückgedreht. Sie hatte selbst etwas gelernt und zauberte erneut. Doch der Junge war noch zu klein, um vieles zu verstehen, aber seine Eltern müssten doch begreifen. Und so kamen die Eltern des Jungen noch am selben Tag auf magische Weise an einem Infostand des VWFD vorbei, der sich zufällig in der Fußgängerzone befand...

Seit diesem Tag ist viel Zeit vergangen. Aber für den Wellensittich des kleinen Jungen hat sich alles geändert. Er hat inzwischen einen Wellensittichkumpel, Natursitzstangen und anstelle des Spiegels viele Spielzeuge zum Zernagen. Fliegen darf er inzwischen auch ganztags und natürlich steht der Käfig nun nicht mehr in der Küche.

Der Junge geht inzwischen in die Schule und hat doch tatsächlich einen Klassenkameraden mit einem Einzelwellensittich dazu gebracht, im Tierheim nach einem weiteren Wellensittich zu schauen.

Was ist wohl aus der guten Fee geworden? Nun, sie hat sich vorgenommen, zunächst ein paar Wellensittichen Wünsche zu erfüllen.

Diese Geschichte wurde von unserem Vereinsmitglied Tiffy verfasst.
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