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Wegfall der Psittakoseverordnung und der Zuchtgenehmigung:

Das sagt der Verein der Wellensittich-Freunde Deutschland e. V.

Bereits seit geraumer Zeit geistert in Foren und auf Stammtischen von Wellensittich-Freunden die Information herum, dass die Psittakoseverordnung und somit die Zuchtgenehmigung für Papageienvögel zukünftig wegfallen sollen. Die sogenannte Zuchtgenehmigung besagt, dass ein Züchter erfolgreich seine Sachkunde über die Zucht von Papageienvögeln beim Amtstierarzt nachgewiesen hat (Sachkundenachweis) und über die notwendige Räumlichkeiten für eine Zucht verfügt (Quarantäneraum u. ä.).
Der VWFD hat sich diesbezüglich bei Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) genauere Auskunft geben lassen und dort vom zuständigen Referat (Tiergesundheit) gesicherte Aussagen bekommen.
Die Psittakoseverordnung wird wegfallen. Der Zeitpunkt steht derzeit noch nicht fest – angesteuert wird jedoch der Spätsommer.
Im Zuge dessen wird bei der aktuellen Änderung des Tierseuchengesetzes auch der §17g entfallen, welcher als Grundlage für den Sachkundenachweis für Züchter dient.

Was sagt der Sachkundenachweis überhaupt aus?

Grundsätzlich dient die derzeitige Handhabung des Sachkundenachweises der Eindämmung einer potenziellen Verbreitung der Psittakose (eine auf den Menschen übertragbare Erkrankung, die beim Menschen tödlich ausgehen kann). Aus dieser Verordnung resultiert die Notwendigkeit, dass Wellensittichzüchter ihre Sachkunde beim zuständigen Amtstierarzt nachweisen müssen. So wird gewährleistet, dass sie im Erkrankungsfall ihrer Tiere ausreichend vorbereitet sind. Deutsche Züchter mit Sachkundenachweis werden als solche eingetragen und erhalten die Möglichkeit, Ringe für ihre Nachzuchten zu bekommen. Diese Ringe identifizieren jedes Tier über eine einzigartige Ringnummer. Die Ringnummer wird beim Verkauf zusammen mit der Adresse des neuen Halters notiert, sodass es im Erkrankungsfall des Zuchtbestands möglich ist, jedes einzelne Tier zu verfolgen und einer weiteren Verbreitung Einhalt zu gebieten.

Wie sieht der VWFD diese Veränderung?

Die Sinnigkeit einer solchen Verordnung steht und fällt mit der Eindämmung der Psittakose. Besteht keine Verbreitungsgefahr mehr, so ist der Sinn nicht mehr gegeben. Selbstverständlich kann es auch weiterhin zu Fällen kommen, eine Tatsache, die wir in unserem Alltag durchaus noch erleben.
Die registrierten Zuchten in Deutschland stellen hierbei wohl ein geringes Problem dar – der Psittakoseverordnung sei Dank – doch ausländische Schwarzzuchten sind hier ganz anders zu bewerten. Tiere von dort gelangen immer häufiger über unsere Grenzen und so mancher arglose Halter erlebte eine böse Überraschung.
Auch Wildfänge anderer Papageienarten stellen ein Risiko dar. Leider kommt es immer mehr in Mode, viele unterschiedliche Vogelarten zu züchten und hier geraten auch die Wellensittiche in Kontakt mit manchem unerwünschten Krankheitsherd. Doch Einzelfälle bilden keine Grundlage und die Zukunft wird zeigen, ob der Wegfall der Verordnung in diesem Fall sinnvoll war oder nicht.

Wesentlich kritischer sieht der VWFD den Wegfall des Sachkundenachweises für Züchter. Obwohl es aktuell so war, dass die Aussagefähigkeit eines solchen Nachweises mit dem Engagement des zuständigen Amtstierarztes einherging, so gab es wenigstens eine gewisse Kontrolle, wer nun Wellensittiche vermehrte und wer nicht. Eine aufwendige Prüfung und die Prüfungsgebühren haben so manchen unlauteren Züchtungswilligen abgeschreckt. Ungenehmigte Zuchten fielen direkt durch unberingte Vögel auf. Beides Aspekte, die sehr im Sinne eines Tierschutzvereines sind. Denn nur verantwortungsvolle Menschen mit ausreichend Wissen und den geeigneten Bedingungen sollten Tiere züchten.
Zu befürchten ist nun auch, dass Zuchtvereine einen vergleichbaren Nachweis etablieren, der Seriosität und Know-how widerspiegeln soll. Aus Tierschutzsicht ein unerwünschter Aspekt. Zuchtvereine legen meistens mehr Wert auf Zuchtstandards und vertreten auch leider allzu häufig veraltete und tierschutzwidrige Ansichten. Es ist zu befürchten, dass sich seriöse Züchter auf der Suche nach einer „Bestätigung“ ihrer guten Zuchtumstände den Zuchtvereinen zuwenden und dann in Bahnen gelenkt werden, die dem Tierschutzgedanken einer artgerechten Zucht nicht entsprechen.

Der VWFD spricht sich daher dafür aus, dass sich Züchter einer allgemeinen Überprüfung ihres Fachwissens unterziehen müssen. Solche Schulungen und Sachkundeprüfungen könnten wie bisher durch Amtstierärzte durchgeführt werden. Die Richtlinien solcher Sachkundeschulungen, -prüfungen und -nachweise sollten jedoch bundesweit einheitlich festgelegt und standardisiert werden, sodass sich hieraus eine wirkliche Aussage über einen Züchter ergeben kann.
Die Richtlinien sollten durch geeignete Gremien, in denen auch Tierschützer und Fachleute zu den jeweiligen Vogelarten sitzen, festgesetzt werden. So wird alles dafür getan, dass die Tiere bestens vermehrt werden, Erkrankungen keinen Nährboden finden und zukünftige Halter viel Freude an und mit ihren Tieren haben – das wäre eine erfreuliche Entwicklung.