Logo VWFD banner

Mannheimer-Wellis

Die Geschichte

Im November 2006 wurde der Stadt Mannheim und dem Tierheim Mannheim von Nachbarn eine Messiwohnung gemeldet, in der 150 Wellensittiche wild lebten. Gleichzeitig wurde eine Schweigepflicht bis zum Tag der „Umsiedlung“ der Wellis aufgetragen, um die besagten Bewohner der Wohnung vor Medien oder Tierschützern abzuschirmen.

Name?

Die erste Begehung der Wohnung fand - nach zweimaliger Terminverschiebung seitens der Tierhalterin - mit einer örtlich niedergelassenen Tierärztin (die vom VWFD beauftragt wurde, um bei der Vermittlung zu helfen) statt. Die Tierärztin entnahm von 10 Wellis Proben für die Untersuchung auf unterschiedliche Krankheiten. Leider verstarb der erste Welli schon an diesem Tag in ihren Händen. Der Amtstierarzt war bereits zuvor in der Wohnung gewesen, um die ersten Tests auf Psittakose und alle auf den Mensch übertragbaren Krankheiten durchzuführen. Die Tests wurden im Tierheim später wiederholt.
Das Bild, dass sich den Helfern bei der ersten Begehung zeigte, war schockierend. Dreck, Staub, Müll, Löcher in Möbeln und Wänden – dazwischen freifliegende Wellensittiche. Neben dem Herd Wellensittichpärchen in winzigen Brutboxen zusammen mit schimmligen Obstresten. Behinderte Wellensittiche in kleinen Käfigen und in verdreckten, zerfressenen Transportboxen, beziehungsweise Transportkäfigen.

Die Umsiedlung ins Tierheim erfolgte kurz vor Weihnachten. Dabei fanden die Helfer leider tote Wellensittiche, tote Küken und auch 2 winzig Lebende. Jedoch vor allem: Unmengen an Maden, Würmern und anderem Ungeziefer.

Der Gesundheitszustand

Rigoletto

Die Wellensittiche entstammten alle aus einer Geschwisterbrut von ursprünglich 4 bis 6 Tieren (Angabe der Besitzerin), so dass Folgeschäden nicht auszuschließen waren.
(Bei Nachkommen aus Inzuchtbruten können folgende Krankheiten und Behinderungen auftreten: geistige und körperliche Schädigungen, verminderte Vitalität, geringere Lebensdauer und eingeschränkte Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten.) Alle Behinderungen konnten nicht ausschließlich der Inzucht zugeschrieben werden, so hatte beispielsweise ein Wellensittich einen von einer Maus angefressenen Flügel.
Insgesamt kamen mit ein paar Nachzöglingen 120 Wellis im Tierheim an. Die Wellis wurden dort entmilbt und gegen Magen - Darmbakterien behandelt. Es wurden 10 Wellensittiche getestet und 4 Vogelkadaver eingeschickt. Der Befund bei den Stichprobentieren ergab: keine weiteren Bakterien, keine Trichomonaden und keine Pilze. Die größte Erleichterung war jedoch: keine Megabakterien, kein Polyoma und kein PBFD.

Die Vermittlung

Name?

Die Kriterien für eine Aufnahme waren recht streng (es musste sich an die Auflagen von Amtstierarzt und Tierheim gehalten werden), doch nur so konnte sichergestellt werden, dass die Wellensittiche in gute Hände kamen. Es wurden zunächst Züchter und Interessenten ohne Erfahrung mit Wellensittichen ausgeschlossen. Die Grundvoraussetzung war die artgerechte Haltung mit Freiflug und mindestens einem oder mehreren Partnervögeln.

Der VWFD richtete ein Team ein, welches sich speziell um die Vermittlung und die Beantwortung der emails kümmerte.

Dank forenübergreifender Informationsweitergabe, Verlinkung des Themas in verschiedenen Tierschutzforen, Tierschutzvereinen und privaten Hompages, erreichten uns täglich im Schnitt 60 E-Mails, an Feiertagen und Wochenenden oft noch mehr. Es waren zwischen einigen vorschnellen Aufnahmegesuchen mit nicht artgerechten Unterbringungsmöglichkeiten, erstaunlich viele E-Mails von vogelerfahrenen Interessenten mit guten Unterbringungsmöglichkeiten dabei. Die Wellensittichen fanden in ganz Deutschland und der Schweiz ein neues Zuhause. Viele Transporthelfer machten dies möglich.

Zusammenfassung

Mucki

Am 22. Januar 2007 haben die letzten Mannheimer Wellis das Tierheim verlassen. Alle Beteiligten waren sehr froh, dass die Wellensittiche ein gutes Zuhause fanden.

Ingesamt waren unter 121 Wellis 5 Küken, von denen 3 noch per Hand aufgezogen werden mussten. Etwa 20 sehr junge, aber schon „ausgewachsene“ Wellis und eine ganze Menge im mittleren Alter sowie „Rentner“, wie beispielsweise eine 18jährige Henne. Von ingesamt 121 Wellis sind leider 9 verstorben und manche mussten nachbehandelt werden. Jedoch konnte der größte Teil nach dem Tierarztcheck direkt in den neuen Schwarm einziehen.
Zwei unabhängige Tierärzte sowie ein Heidelberger Tierarzt-Stammtisch halten die Anzahl der Todesfälle und nachträglichen Krankheitsbehandlungen für mehr als gering – das Gesamtergebnis fällt positiv aus. Sie sind der festen Überzeugung, dass die natürliche Auslese bereits vor dem „Umzug ins Tierheim“ stattgefunden hat und die geretteten Wellis zu den stärksten aus dieser Familie gehören.

Danksagung

Einen Monat intensiver Arbeit und hoher Belastungen hatten alle hinter sich gebracht. Die vielen Pakete, die mit Futter, Ausstattung und Vitaminpräparaten, sowie Ergänzungsfuttermitteln eingingen, sicherten die Versorgung mit gutem Futter und Einstreu, worüber das Tierheim Mannheim sehr dankbar war.
Vielen Dank allen Forumusern und Mitgliedern, die sich mit Sach- und Geldspenden daran beteiligten.
Danke allen, die einem oder mehreren Wellis ein neues Zuhause gaben und allen Helfern, insbesondere den "stillen Unsichtbaren". Nur gemeinsam war das zu schaffen. Vielen Dank auch an Futterkonzept für die Rabattgewährung auf das gespendete Futter sowie Rico's Futterkiste für die riesig großen Futterspenden.
112 Wellensittiche haben ein artgerechtes Zuhause mit vielen gefiederten Artgenossen, Freiflug, großen Käfigen/Volieren, vielfältiger Ernährung und fachkundiger Versorgung gefunden. Sie führen jetzt ein glückliches Wellileben und das ist wirklich ein großer Anlass zur Freude! Über eines dieser Glückskinder und sein neues Leben kann man hier mehr erfahren.
Der ehemaligen Besitzerin wurde eine kleine Mappe mit Fotos zusammengestellt, in der die Vögel in ihren neuen, artgerechten Unterkünften abgelichtet sind. Auch wenn es schwer nachvollziehbar ist, die Dame hat die Wellensittiche auf ihre Art geliebt.

Wir möchten dem Vereinsmitglied Andrea (Pinguin), dem Vereinsmitglied Andrea (AndreaT) und dem Vereinsmitglied Silvia (Silvia) danken. Auch gilt unser besonderer Dank den ehemaligen Vereinsmitgliedern Dagmara (Dagi), Angelika (Zippi), dem damaligen Vorstand und dem eigens dafür gegründeten Vermittlungsteam. Wir danken weiter den ehemaligen Mitgliedern Andrea (Canette), Astrid (Assi), Claudia (Isabel), Gaby (Feenseeschwalbe) und Martina (Picoline). Ein großes Dankeschön auch an die Mitarbeiter des Mannheimer Tierheims, ohne deren tatkräftiges Engagement und Hilfsbereitschaft ein so schlimmer Notfall nicht so schnell zu händeln gewesen wäre.
Außerdem bedanken wir uns bei den neuen Besitzern, die trotz aller Widrigkeiten sich nicht gescheut haben, den kleinen Zwergen ein neues und liebevolles Zuhause zu geben. Den Wellis wünschen wir noch viele gesunde und glückliche Jahre!