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43 Wellis in Not

Im September 2005 holten Mitarbeiter der Arche 90 e. V. Dortmund gemeinsam mit einem Amtstierarzt 43 Wellensittiche aus der Obhut eines Züchters.

Die Vermittlung einer großen Menge von Wellis, noch dazu offensichtlich krank, ist nie einfach, und so wurde letztendlich der VWFD e. V. kontaktiert und um Hilfe gebeten. Zusammen mit Mitarbeitern von Arche 90 e. V. wurden die Vögel übernommen.

Die 43 Wellis waren in einem sehr schlechten Zustand. Fast alle waren körperlich behindert und wiesen deutliche Gefiederschäden auf. Das Bild, das die Vögel boten, war mehr als erschreckend, und zu der Frage nach der Unterbringung gesellte sich daher auch noch die Frage, ob die Tiere nicht evtl. an dem ansteckenden Virus PBFD ("Psittacine Beak and Feather Disease") oder an Polyoma leiden könnten.

Zunächst wurden die Tiere dem Tierarzt vorgestellt, der eine erste Untersuchung aller Tiere vornahm. Auch der Tierarzt äußerte den Verdacht einer Virus-Erkrankung, so dass klar war, dass die Tiere unter Quarantäne gestellt werden mussten. Die Tiere konnten vorerst in ein Quarantänequartier in Essen einziehen. Offensichtlich schwer erkrankte Tiere bezogen einen gemeinsamen Käfig, damit sie Ruhe vor den anderen Wellis hatten. Alle Vögel wurden erstmal mit Futter und Wasser und Leckerlis wie Kolbenhirse und Frischkost verwöhnt.

In den folgenden Monaten wurden die Wellis von Essener Tierschützern liebevoll versorgt, und der VWFD machte sich natürlich von Anfang an Gedanken über die weitere Vorgehensweise. Schnell war klar, dass der finanzielle Aspekt der Rettungsaktion nicht vergessen werden durfte und so rief der Verein eine Spendenaktion* ins Leben. Die Resonanz war überwältigend: Mit den Spenden konnten tatsächlich alle anfallenden Kosten gedeckt werden. Somit war der Verein entlastet und die finanzielle Versorgung der Tiere auf jeden Fall gesichert.

Es stellte sich schnell heraus, dass es gar nicht so einfach war Entscheidungen, die Wellis betreffend zu fällen. Wir standen nicht nur in der Verantwortung den Wellis gegenüber, sondern auch den eventuellen neuen Besitzern. PBFD stand damals im Raum und wir konnten und wollten die Vögel nicht ungetestet vermitteln. Zu groß war die Gefahr, dass wir das Virus in einen gesunden Bestand verschleppten. Der Tierarzt nahm eine Sammelprobe und schickte diese an ein Labor. Die Tests auf PBFD und Polyoma waren zwar negativ, aber sowohl das Gefieder als auch die tierärztliche Meinung sprachen dagegen. Wir entschieden uns für einen Einzeltest aller 43 Wellis, in Bezug auf Federn, Blut und einer Geschlechtsbestimmung.
Diese Geschlechtsbestimmung gibt die nötige Sicherheit, dass genügend aussagekräftiges Material in der Probe vorhanden ist. Es ist durchaus möglich, dass ein Ergebnis „negativ“ ausfällt, wenn nicht genügend Material zum Testen vorhanden ist. Diese „falsch-negative“ Aussagen wollten wir verhindern, so dass wir die komplette Palette an Untersuchungen durchführen wollten. Uns war damals (und ist es auch heute) bewusst, dass es in Bezug auf PBFD niemals 100%ige Sicherheit geben wird. Einmal oder auch zweimal negativ getestet muss nicht heißen, dass die Vögel tatsächlich frei von PBFD sind. Aber in unseren Augen ist die Aussagefähigkeit höher, als wenn wir nur Blut oder nur Gefieder hätten testen lassen.

Die Tiere wurden also getestet. In dieser Zeit hatten wir leider die ersten Todesfälle zu verzeichnen, so dass nur 40 Wellis getestet wurden. Die Testergebnisse zeigten ein ganz anderes Bild als das Ergebnis des Sammeltests: 24 der Tiere wurden positiv auf PBFD getestet, 16 negativ. Die Tiere wurden entsprechend ihres Ergebnisses räumlich getrennt, so dass nur noch negative und positive Tiere beisammen saßen. Mittlerweile war es November geworden und es war klar, dass die Tiere nicht mehr lange in der bisherigen Quarantänestelle bleiben konnten. Einige Leute interessierten sich für die Vögel und waren, nach kompletter Aufklärung über die Risiken, bereit einige Tiere aufzunehmen.
Wir suchten also in zwei Richtungen, zum einen nach einem endgültigen zu Hause, zum anderen nach Pflegestellen. In Bezug auf die Pflegestellen wurden wir fündig: 16 der PBFD positiven Vögel zogen im Dezember in eine Pflegestelle bei Moers, sechs in eine Pflegestelle bei Bonn und zwei wurden vermittelt. Einige der negativ getesteten Vögel wurden ebenfalls vermittelt, andere wiederum sollten auf Wunsch der Interessenten einem 2. Test auf PBFD unterzogen werden, bevor sie umziehen sollten.

Mittlerweile sind alle Wellis untergebracht, auch die mit PBFD. Einige bezirzten ihre Pflegemütter, so dass sie endgültig einziehen konnten, andere wurden vermittelt. Leider sind im Laufe der Zeit bereits welche gestorben, aber sie haben ihren Lebensabend in liebevoller Obhut und Pflege verbracht.

Liebevolle Pflege, großes Engagement und viel Zeit waren nötig, um den Wellensittichen ein neues, schönes Leben zu ermöglichen. Hierfür danken wir dem Vereinsmitglied Carolin (Ninja) und dem ehemaligen Vereinsmitglied Gaby (Feenseeschwalbe) - von Gaby stammen auch die Bilder. Weiter möchten wir dem ehemaligen Vorstandsmitglied Ute (Ute) für die Bereitstellung dieses Textes und für ihr Engagement danken. Unser besonderer Dank gilt den Essener Tierschützern und den vielen anderen Helfern.
Den Wellensittichen und ihren Haltern wünschen wir weiterhin ein glückliches Miteinander.