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Jack im Glück

Bubi der Schauwelli

Hallo, ich bin Jack, ein stattlicher Wellensittichhahn von 7 Jahren. In diesen sieben Jahren ist mir leider nicht nur Schönes passiert... Die meiste Zeit davon war sogar eher schrecklich. Aber vielleicht sollte ich von vorn anfangen:
2002 bin ich als kleines Küken aus einem Ei geschlüpft. Es kann sich leider keiner mehr erinnern, wann genau das war, aber das macht ja nichts. Damals wuchs ich zunächst in einem groooßen Schwarm auf, bevor man mich dann mit einigen anderen Jungwellis einpackte und in eine Zoohandlung brachte. Das war ganz schön komisch, plötzlich war alles so anders und ständig standen da Menschen und glotzten uns an... Eines Tages zeigte eine Frau dann so eindringlich auf mich und dann kam ein Verkäufer und ich wurde in einen dunklen Karton gesteckt. Zum Glück war da noch ein anderer Wellensittich, aber ich hatte trotzdem furchtbare Angst! Ich habe mich dann ganz eng an sie gekuschelt, bis man uns an einem völlig fremden Ort wieder aus dieser Kiste ließ... Aber der Käfig, in dem wir dann saßen, war leider auch nicht viel größer... Sehr oft raus durften wir auch nicht, weil wir uns in der Küche, in der wir standen, nicht so gut zurechtfanden. Das ging dann 5 Jahre lang so weiter und wir durften immer seltener ausfliegen, aber wenigstens waren wir nicht allein.

Doch eines furchtbaren Tages war meine Partnerin plötzlich tot! Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich sie vermisst habe, denn von da an musste ich ganz allein bleiben und durfte auch nie mehr raus, um zu fliegen. Nur ab und zu, wenn mein Käfig auf der Terrasse stand, schrie ich ganz laut und hoffte, dass ein anderer Welli mich hören würde. Aber irgendwann gab ich auch das auf.

Lass dir die Haube kraulen

Etwa ein Jahr später kam dann plötzlich ein Mädchen in das Zimmer. Sie sah mich und lächelte sofort: „Wie süß, ein Wellensittich,“ meinte sie und schaute etwas bedrückt, als sie die Antwort erhielt: „Ja, der steht hier doch nur in der Ecke, den will doch keiner mehr haben. Nimm ihn doch mit!“ Ich wusste natürlich nicht, was das bedeutet und so saß ich weiterhin ganz traurig und still immer an derselben Stelle im Käfig und starrte in meinen Spiegel. Nichtmal die Knabberstangen, die es ab und an gab, konnten mich aufmuntern. Sie schmeckten nicht und meistens zerlegte ich sie nur, bis der ganze Boden voller Krümel war. Und dann langweilte ich mich weiter.
Doch dann wurde auf einmal alles anders: Jemand schnappte sich hastig meinen Käfig und trug mich durch die Januarkälte in ein Auto, um mich dort lieblos vor dem Beifahrersitz zu verstauen. Nachdem ich da so eine Weile gewartet hatte (unter mir rumpelte es ganz komsich) wurde ich wieder aus dem Fahrzeug herausgeholt und zum ersten Mal seit langem (jedenfalls kam es mir vor wie eine Ewigkeit!) hörte ich wieder die Stimme des Mädchens. Sie klang froh, mich zu sehen und das überraschte mich am meisten. Wann war seit dem Tod meiner Liebsten jemand froh gewesen, mich zu sehen?

Lass dir die Haube kraulen

Das Mädchen trug mich in ein warmes Haus und fing mich dann mit der Hand ein. So nett sie auch war, das nahm ich ihr ziemlich übel und biss ihr ordentlich in den Finger. So was macht man doch nicht mit mir! Aber wo war ich denn nun gelandet? Schon wieder ein kleiner Käfig, aber wenigstens nicht mehr so blendend weiß und in der Tränke waren keine stinkenden, grünen Algen mehr. Es gab frisches Futter und so etwas Komisches an einer Rispe, das ich gar nicht kannte. Ziemlich unheimlich... Und plötzlich schreckte ich hoch: Täuschten mich meine Ohren, oder waren das tatsächlich Vogelstimmen gewesen? Ich wusste schon fast nicht mehr, wie so etwas eigentlich klang, aber eindeutig: Das war das Gezwitscher von Wellensittichen!
Langsam wurde ich entspannter, aber die Aussicht auf Gesellschaft und die neue Umgebung ließen mich ganz vergessen, dass ich ja auch etwas fressen musste. Zum Glück erinnerte ich mich bald wieder daran. Das Mädchen stand jetzt oft bei mir und sah mir zu, wie ich mich putzte oder knipste mich mit so komischem, hellen Licht.

Lass dir die Haube kraulen

Am nächsten Morgen war es dann soweit: Schon wieder trug man mich samt Käfig durch die Gegend, ich gewöhnte mich langsam daran. Doch jetzt schien zum ersten Mal in meinem Leben nicht mit jedem Tag alles schlimmer zu werden. Im Gegenteil: Da saß plötzlich ein anderer Wellensittich auf meinem Käfig! Ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte, es war doch schon so lange her! Und dann war da sogar noch eine junge Henne! Gleich zwei Artgenossen würden mir nun Gesellschaft leisten!
In den nächsten Tagen musste ich viel Neues lernen. Zuerst einmal zeigten mir meine neuen Freunde, Loki und Mia, dass diese komische Rispe Kolbenhirse war und sehr gut schmeckte. Bevor Mia alles allein gefressen hatte, probierte ich nämlich auch lieber mal. Bis ich mich das erste Mal seit langem wieder zu fliegen traute, dauerte es noch länger. Schließlich war mir schon gar nicht mehr bewusst, dass man einen Käfig auch verlassen kann. Als es endlich soweit war, kam aber alles ganz schnell zurück, es war wie früher! Ich war zwar noch schwach und unbeholfen, aber endlich, endlich konnte ich wieder fliegen! So langsam waren meine Artgenossen mir auch nicht mehr ganz so unheimlich. Wenn ich ihnen bisher nur alles nachgemacht, sie aber vor lauter Nervosität weitgehend ignoriert hatte, flog ich nun bald mit ihnen meine Runden. Sie leisteten mir auch rührend Gesellschaft, sogar wenn ich mich in meinem kleinen Käfig verkroch, um ein Mittagsschläfchen zu halten, saßen sie dicht bei mir und sangen mir leise vor. Das war seit langem die schönste Zeit meines Lebens!
Als dann nach ein paar Monaten noch eine Henne in meinem Alter unseren Schwarm vervollständigte, schien mein Glück perfekt. Happy war mir zwar etwas zu ruhig, aber ich konnte ja mit Loki toben oder Mia anbalzen, oder, was ich immer noch oft tat, mich etwas zurückziehen und meine Gitterbällchen bezirzen.

Bubi und sein Freund Fussel

Ja, die anderen Wellis waren noch immer etwas fremd für mich, aber als dann eines Tages Loki starb, war ich trotzdem furchtbar traurig. Wie unendlich langweilig es jetzt doch war ... Die beiden Hennen saßen den ganzen Tag nebeneinander und brabbelten und nichts war mit ihnen anzufangen. Und dann war ja auch noch Winter ... Die nächsten zwei Monate waren ziemlich eintönig, fast gewöhnte ich mir wieder an, allein dazusitzen und mich zu langweilen, bis eines Tages Tony und Joey einzogen.
Mit Tony verstand ich mich direkt gut, auch wenn unser erster gemeinsamer Freiflug total chaotisch war. Ich war zunächst auch manchmal etwas irritiert, wenn er mich anbalzte, als wäre ich eine Henne. Aber er hatte ja bisher auch nur Hähne als Partner kennengelernt. Ich machte dann einfach mit und wir zwei hatten und haben viel Spaß miteinander, obwohl er erst eineinhalb Jahre alt ist. Ich freue mich einfach so, endlich ein richtges Wellileben zu haben, dass ich den ganzen Tag spielen und toben möchte und Tony leistet mir jetzt auch immer Gesellschaft! Alles in allem habe ich doch richtig Glück gehabt, oder?

von Sarah (Forumsnick: "Anuyi")