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Das Vollweib Alma

Hallo an alle Federlosen,

ich möchte Euch von meinem aufregenden Umzug in ein neues Zuhause erzählen. Ich bin eine Wellidame mit blauem Gefieder (ich glaube mein Kopf ist gelb, sicher bin ich mir aber nicht). Die ersten Jahre lebte ich mit vielen anderen Wellis in einem Schwarm bei einer sehr lieben Federlosen. Ich habe einen Mann und mit ihm auch schon Kinder gehabt. Leider sind diese aber, nachdem sie alt genug waren ausgezogen. Aber so ist der Lauf der Dinge und eine Mutter muss dann loslassen können. Mein Mann ist übrigens grün und eine Seele von Vogel, der sehr gut schnäbeln kann.
Ich hatte ein zufriedenes und glückliches Leben.

Das glückliche Paar im neuen Zuhause

Plötzlich aber geschah etwas völlig Unerwartetes. Es waren Federlose da mit Käfigen, die uns einfingen und in selbige setzten. Das war sehr aufregend, aber mein Mann war zum Glück bei mir und so nahm ich das alles gelassener. Dann folgten zwei Tage voller Gerumpel, eigenartiger Geräusche und fremder Federloser. Sie sprachen zwar alle nett mit uns, aber mir war das nicht geheuer und ich hatte Angst, dass es immer so weitergehen würde.
Als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte, wurde unser Käfig endlich abgestellt und die Welt wurde wieder etwas größer ...und sie war lila! Wir zogen in einen größeren Käfig um und es gab meine Lieblingsspeise: Kolbenhirse. Nebenan musste es einen Wellensittichschwarm geben, denn ich hörte es zwitschern.
Bei uns war noch ungefähr die Hälfte unseres Schwarmes. Einige Damen begannen bereits nach den ersten Tagen sich zu beschweren, dass sie nicht fliegen dürfe. Mir macht das nicht so viel, weil ich eher ruhig bin und nicht so furchtbar gerne fliege. Ich freute mich zwar für die anderen, als dann endlich das Türchen aufging, traute mich allerdings nicht raus. Im Käfig war es doch sicherer. Während wir uns langsam einlebten, fiel mir auf, dass immer mal Federlose kamen und einige von uns mitnahmen. Irgendwie wurden wir immer weniger. Eines Tages “erwischte” es auch uns und wir wurden in einen furchtbar kleinen Käfig gepackt. Vom Regen in die Traufe dachte ich nur. Ich kuschelte mich an meinen Mann und es wurde dunkel um uns herum. Dann kam ein ratterndes Geräusch, es wackelte, das Wackeln veränderte sich und dann wurde es wieder hell. Eine Federlose nahm mich aus dem Käfig in die Hand und befummelte mich! Und jetzt kommt das Schlimmste: sie äußerte sich über meine Figur und unsere Federlose lachte! Ich brauchte den ganzen Rückweg um das zu verdauen. Ich kann doch auch nichts dafür, dass alle anderen Wellis so klein sind.

Irgendwann hörte ich das Zwitschern unserer restlichen Schwarmmitglieder und das Getöse dieses anderen Schwarms aus der Nachbarschaft. Als es wieder hell und wir aus dem Minikäfig entlassen wurden, waren wir in einer ganz anderen Welt. Ich erkannte die Stimmen der fremden Wellis aus der Nachbarschaft und dann sah ich sie. Der Schwarm war fast so groß, wie unser alter. Sie waren alle sehr nett und einige kamen sofort, um uns zu begrüßen. Sie erzählten mir so viel Neues, dass mir der Kopf schwirrte und ich mich erst einmal ausruhen musste. Den nächsten Tag aber habe ich mich sofort an der Arbeit des Schwarmes beteiligt und die große Korkröhre geschreddert. Ich dachte, dass man für seine Körnchen hier arbeiten muss. Seitdem ich weiß, dass das Schreddern nur dem Zeitvertrieb dient, bin ich nicht mehr ganz so oft dabei.

Ich fühle mich hier total wohl. Wir haben diese Welt ganz für uns alleine, können fliegen und schreddern, wie wir wollen und alle Schwarmmitglieder sind sehr freundlich und ziemlich klein. Wir haben auch Namen von unserer neuen Federlosen bekommen: Ich heiße Alma-Martha und mein Mann Okko - jedenfalls sagt das die Federlose, wenn sie mit uns spricht. Mir soll es egal sein. Ich finde sie ganz in Ordnung, denn sie spricht nett mit uns (obwohl ich nicht verstehe, was sie sagt) und sie lässt uns in Ruhe. Es gibt sogar einige Schwarmmitglieder, die sich auf ihren Kopf setzen.
Alles in allem denke ich, dass wir hier bleiben wollen und die Chancen stehen gut, dass das klappt, denn die anderen sind schon ewig hier.

Auch Alma wurde aus der Zuchtauflösung 2010 von Fulda nach Berlin gebracht. Dort lebt sie nun glücklich mit ihrem Mann bei Christine (welliline). Als eine der damalig zuständigen Koordinatorinnen für Tierschutz fiel ihr ein Großteil der Betreuung des Notfalls zu. Neben anderen Pflegestellen war sie Pflegestelle für die in Berlin zu vermittelnden Tiere. Dafür gilt ihr - wie allen anderen Helfern bei diesem Notfall - unser herzlichster Dank. Allen ehemaligen Fulda-Wellis wünscht der VWFD ein langes und glückliches Leben.