Logo VWFD banner

Heimat der Wellensittiche

Woher kommen eigentlich Wellensittiche?

Der Lebensraum der Wellensittiche

Diese Frage wird sich jeder Wellihalter schon einmal gestellt haben. Betrachtet man die farbenfrohen Sittiche, könnte man meinen, dass ihre frei lebenden Artgenossen in tropischen Wäldern zu Hause sind. Diese Annahme ist jedoch weit gefehlt, denn der ursprüngliche Lebensraum ist weitaus lebensfeindlicher als die Tropenwälder: Es sind die Steppen Australiens. Die Küstenregionen werden von den Sittichen gemieden.
Durch diesen rauen Lebensraum kämpfen sich die Vögel in Gruppen von bis zu 2000 Tieren. Die Wellensittiche verbringen ihr Leben nicht in einer bestimmten Region, sondern fliegen täglich bis zu 25km weit durch die Steppe. Deswegen spricht man auch von Nomadenvögeln. Wellensittiche haben einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn und so wird auch in Australien alles gemeinsam gemacht. Am Morgen und am Abend, wenn die Temperatur sinkt, suchen die Wellis Futter. Sie halten sich immer in der Nähe eines Wasserlochs auf und sammeln am Boden Samenkörner aller Art auf. Dies erledigen sie so schnell wie möglich, da sie am Boden nicht vor feindlichen Angriffen geschützt sind. Ein noch kritischerer Moment als das Fressen ist jedoch das Trinken aus Wasserlöchern oder Rindertränken auf den Farmen. In der Eile passiert es nicht selten, dass Vögel durch das Gedränge in eine solche Tränke fallen. Da Wellensittiche – wie fast alle Vögel – nicht schwimmen können, ertrinken sie. Doch selbst wenn dabei viele Vögel sterben, ist der Bestand dennoch gesichert, da sie durch eine frühe Geschlechtsreife, mehrere Bruten im Jahr und große Gelege die Verluste wieder ausgleichen können.
Nach der Nahrungsaufnahme bezieht der Schwarm einen Baum in der Nähe der Wasserstelle, um sich auszuruhen und der Mittagshitze zu entfliehen.
In der Gruppe und zwischen den Blättern der Bäume sind die Wellis mit ihrem grün-gelben Gefieder perfekt getarnt. Übrigens gehören alle in der Wildnis lebenden Wellensittiche dem Farbschlag „normal grün“ an, was bedeutet, dass sie ein grünes Bauch- und Rückengefieder, ein durchgehendes, gleichmäßiges Wellenmuster und ein gelbes Kopfgefieder besitzen. Nur selten gibt es blaue Wellensittiche, die meist aufgrund der fehlenden Tarnung schnell das Opfer von Greifvögeln werden. Die Rastbäume dienen jedoch nicht nur zum Ausruhen. Auch die Gefiederpflege, Spiele und das Festigen von Beziehungen -wie Schmusen, gegenseitiges Füttern und Kraulen- spielen sich hauptsächlich hier ab.

Wellis am Wasserloch

Die Wellensittiche bleiben nicht die ganze Zeit an einem Wasserloch. Sie ziehen von Wasserstelle zu Wasserstelle. Im Jahr legen sie tausende von Kilometern zurück und sind dabei so schnell und wendig in der Luft wie kaum ein anderer Vogel.
Nur während der Brutzeit bleiben die Wellis an einem festen Ort. Feste Brutzeiten gibt es nicht. Da die Regenzeiten und somit auch die Nahrungsmenge sehr stark variieren, bestimmt allein das Nahrungsangebot den Zeitpunkt der Brut. Ist genügend Futter für die Jungenaufzucht vorhanden, löst sich der Schwarm in kleinere Kolonien von zwanzig bis sechzig Tieren auf. Auch während der Mauser können Junge aufgezogen werden. Als Brutstätte verwenden die Weibchen oft Baumhöhlen, aber auch jeder andere dunkle Hohlraum wird genutzt. Da es eine hohe Sterblichkeitsrate unter den Küken gibt, legen die Hennen bis zu sechs Eier. Während das Weibchen brütet, wacht das Männchen vor der Bruthöhle und versorgt die Henne mit Futter. Nach achtzehn Tagen schlüpfen die Küken, die am Anfang noch nackt und blind sind. Jetzt hilft auch das Männchen mit, den Nachwuchs zu versorgen.
Auch beim Verlust des Partners schafft es das Weibchen, einen Teil der Jungen großzuziehen. Dennoch überleben mehr als die Hälfte das Nestlingsalter nicht. Ebenso fallen viele Tiere nach dem Flüggewerden Greifvögeln zum Opfer.
Diejenigen, die überleben, sind nun auf sich allein gestellt und schließen sich zu Gruppen zusammen, die den Nomadenschwärmen folgen.

Gut getarnt im Laub

So verbringen die geselligen Wellensittiche ihr Leben in dieser rauen Umgebung und haben es geschafft, trotz der feindlichen Bedingungen die Größe ihres Bestands aufrechtzuerhalten. Der lateinische Name Melopsittacus undulatus bedeutet übrigens so viel wie "Der singende Papagei mit dem Wellenmuster".

Da wir unsere Tiere hier leider in Gefangenschaft halten müssen, liegt es an uns, den kleinen, fröhlichen Australiern ein schönes Leben zu bereiten, damit sie genauso glücklich wie ihre wilden Verwandten sind.

Die Bilder stammen von: Photocase und © 2008 www.nawip.com