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Paar- oder Schwarmhaltung

Wenn man sich dazu entschlossen hat, Wellensittichen ein Zuhause zu bieten, stellt sich u.a. die Frage nach der Anzahl der Vögel.

Spass im Schwarm

Da Wellensittiche Schwarmvögel sind, sollten sie mindestens zu zweit gehalten werden. Die Tiere würden sonst vereinsamen und im schlimmsten Fall sogar Verhaltensstörungen entwickeln. Ist das Pärchen dann eingezogen, stellt sich bei vielen Haltern nach kurzer Zeit die Frage, ob es nicht noch mehr Wellensittiche werden sollen. Man ist schnell fasziniert von diesen kleinen Clowns, hat Spaß sie zu beobachten, vielleicht werden sie sogar zahm und turnen auf dem Arm oder Kopf herum, es gibt sie in vielen schönen Farben, kurz gesagt: mit Wellensittichen wird es nie langweilig.

Obwohl es oft so ist, dass vier Wellensittiche schon um einiges aktiver sind als zwei und bei mehreren Vögeln das Schwarmgefühl verstärkt wird, sollte man sich vor der Aufstockung genau so viele Gedanken machen wie vor der Anschaffung des ersten Paares.

Spass im Schwarm

Leicht kann es ansonsten passieren, dass man einen wunderschönen Wellensittich in der Zoohandlung sieht -"so eine Farbe wollte ich schon immer haben"- und nimmt ihn spontan mit. Nun hat man eine ungerade Zahl und möchte das ausgleichen, und schon kommt der nächste Vogel ins Haus. Zwei Tage später steht die Nachbarin mit ihrem Hansi vor der Tür, den sie nicht mehr behalten möchte und im Tierheim sind auch noch welche, die auf ein neues Zuhause warten. Plötzlich hat man dann viel mehr Wellensittiche als geplant war, das Ganze hat sich sozusagen zu einer Sucht entwickelt, auch wenn man nur helfen wollte.

Dies kann leicht zu großen Problemen führen, denn wenn zu schnell und zu unüberlegt immer mehr Wellensittiche aufgenommen werden, kann es vorkommen, dass man einfach überfordert ist. Es gab leider schon Fälle, in denen nach einer zu schnellen Aufstockung einige Wellensittiche wieder abgegeben wurden. Das ist natürlich weder für die Menschen noch für die Vögel angenehm.

Das kann nur ein anderer Welli

Als Erstes muss natürlich der Platz für weitere Vögel vorhanden sein, der Käfig sollte also, auch bei viel Freiflug, ausreichend groß sein. Es kann immer mal passieren, dass man die Vögel doch für einige Zeit im Käfig lassen muss, sei es, um im Sommer zu lüften oder weil man eine Feier hat und die Wellensittiche nicht im Essen landen sollen. Die Höhe eines Käfigs ist dabei nicht so wichtig wie die Breite, da Wellensittiche nicht nach oben fliegen. Für zwei Wellensittiche sollte der Käfig eine Breite von mindestens 80 cm haben, mehr ist natürlich immer besser.

Je mehr Vögel da sind, desto schwieriger gestaltet sich auch die Urlaubsbetreuung bzw. die Versorgung der Vögel bei einer Erkrankung des Halters. Viele Leute trauen sich die vorübergehende Versorgung von zwei oder vier Wellensittichen zu, diese könnte man auch noch für die kurze Zeit umziehen lassen. Wenn man aber einen kleinen Schwarm Zuhause hat, geht das nicht mehr so leicht. Dann ist es nötig, dass die Betreuungsperson täglich mindestens ein Mal zu den Vögeln geht um Futter und Wasser zu wechseln. Hinzu kommt noch, dass sich manche Leute, die sich nicht mit Wellensittichen auskennen, bei so vielen Vögeln überfordert fühlen.

Spielen mit den Kumpels macht Freude

Ein weiteres Problem könnten Nachbarn oder Vermieter darstellen. Kleintiere dürfen nicht verboten werden, das bezieht sich allerdings immer nur auf eine normale Anzahl. Diese ist zwar nicht gesetzlich festgelegt, aber oft halten Richter vier Wellensittiche für vertretbar, alles, was darüber hinaus geht, kann als zu viel angesehen werden. Um keinen Nachbarschaftsstreit zu riskieren, kann man am besten in einem Gespräch herausfinden, ob die bereits vorhandenen Vögel zu viel Lärm machen oder nicht.

Bei der Aufstockung sollte auch beachtet werden, dass nicht jede Anzahl an Wellensittichen günstig ist. Drei Wellensittiche zu halten kann gut gehen, muss aber nicht. Oft kommt es vor, dass sich ein Paar bildet und der dritte Vogel sozusagen alleine ist. Dasselbe gilt im Prinzip für jede ungerade Zahl, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit bei einem größeren Schwarm höher, dass nicht alle Vögel Paare bilden. Somit wäre dann auch keiner alleine.

Ebenfalls sollte auf das Geschlechterverhältnis geachtet werden. Die Hennen sind bei den Wellensittichen meistens dominant und können auch mal richtig zicken. Deswegen ist es ratsam, nicht mehr Hennen als Hähne zu halten. Ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bringt normalerweise die wenigsten Probleme mit sich. Ein Überschuss an Hähnen ist auch meist unproblematisch, allerdings sollte dieser nicht zu groß ausfallen. Kommen nämlich zu viele Hähne auf eine Henne, kann es auch zwischen ihnen zu Kämpfen um die Hennen kommen.

O.k. in die Kokosnussschaukel passen nur 2

Je mehr Vögel da sind, desto mehr Dreck fällt an. Bei zwei oder vier Wellensittichen fällt das noch nicht so sehr auf, aber wenn es dann noch mehr werden, sollte man sich einen guten Staubsauger zulegen und auch die entsprechende Zeit aufbringen können. Da bleibt es dann auch nicht nur bei Körnerhülsen, Federn und Kot, sondern es kommen noch Stücke von geschredderten Ästen, Blättern und Korkröhren dazu. Wenn der Schwarm mal etwas größer ist, ist außerdem bestimmt mindestens ein Wellensittich dabei, der es auf Papier abgesehen hat. Dabei macht es natürlich am meisten Spaß, wenn man entweder gute und/oder teure Bücher, schöne Poster, Erinnerungsfotos oder wichtige Dokumente zerstört. Auch die Tapete bleibt oft nicht verschont, manche Wellensittiche nagen sogar richtige Löcher in die Wand.

Nicht nur die Nachbarn könnten sich, wie oben angesprochen, durch den Lärm gestört fühlen, sondern auch der Halter selbst. Wellensittiche können relativ laut sein, das kann man nicht bestreiten. Vor allem quasseln sie sehr viel, Pausen sind eher selten. Bei einem Pärchen fällt das manchmal nicht so auf, aber je mehr Vögel es werden, desto mehr stacheln sie sich an, sich gegenseitig zu übertönen. Auch wenn man telefonieren oder fernsehen möchte wird von den Wellensittichen ein Wettkampf daraus gemacht, wer lauter ist, den sie bestimmt immer gewinnen werden. Leider kennen sie auch kein Wochenende oder Urlaub bzw. Ferien, und dafür dass man mal ausschlafen möchte haben sie auch keinerlei Verständnis, genauso wenig für die Kopfschmerzen oder andere Krankheiten der Halter.

Eine Lösung für die Probleme Dreck und Lärm könnte ein eigenes Vogelzimmer sein. Hier wäre es möglich die Tür zu schließen, wenn man mal Ruhe haben möchte und auch die Federn und Körnerhülsen landen nicht ständig auf dem Sofa oder im Kaffee der Besucher, mit denen man gemütlich am Wohnzimmertisch ein paar nette Stunden verbringen möchte.

Leider kommt es auch immer wieder zu Allergien, manchmal entwickeln diese sich auch erst einige Zeit nach der Anschaffung der Vögel. Wenn ein Familienmitglied bereits Probleme mit Allergien oder auch Asthma hat, sollte man vor der Aufstockung mit einem Arzt darüber reden, denn je mehr Vögel da sind, desto mehr Allergene gibt es, wodurch sich der Zustand bei manchen Menschen stark verschlimmern kann und die Vögel deswegen abgegeben werden müssen.

Glückliche Vögel in artgerechte Haltung

Der letzte Punkt, über den man wirklich gut nachdenken sollte, sind die Kosten. Ein großer Käfig ist eine einmalige Anschaffung, der - einmal gekauft - keine weiteren Kosten verursachen dürfte. Mehr Vögel bedeuten aber auch mehr Futter, hier schlägt das Frischfutter bestimmt mehr zu Buche als die Körner. Bei einem größeren Käfig wird mehr Einstreu gebraucht, vielleicht möchte man auch noch ein oder zwei Spielplätze zusätzlich aufstellen, die wegen der Nagewut immer mal wieder erneuert werden müssen. Aber am meisten Geld kann der Tierarzt kosten. Wenn viele Vögel da sind, können auch mehr krank werden, und die Behandlungskosten steigen leicht auf 100 € oder mehr. Im Gegensatz zu Spielzeug und Einstreu, das oft auch billiger angeboten wird, kann man am Geld für die Behandlung eines Vogels nicht sparen. Man sollte hierbei auch nicht vergessen, dass Wellensittiche, die neu in einen Schwarm kommen, zuerst, möglichst mit Kropfabstrich und Kotprobe, untersucht werden sollten. Wird in einen größeren Schwarm eine Krankheit eingeschleppt, können sich viele Vögel anstecken. Es wäre daher sinnvoll, jeden Monat einen bestimmten Betrag für Tierarztkosten zurückzulegen, sodass man immer etwas Geld zur Verfügung hat, wenn es gebraucht wird. Der Tierarztbesuch kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Einen guten vogelkundigen Tierarzt findet nicht jeder in seiner Nähe, sodass man längere Anfahrtszeiten und Wege in Kauf nehmen muss. Fazit: Macht man sich vor der Aufstockung genug Gedanken über den vorhandenen Platz, Betreuung bei Abwesenheit, Schwarmzusammensetzung, Lärm, Dreck und Kosten und handelt man nicht überstürzt, auch wenn das kleine Küken noch so süß ist, kann man auch mit 4, 8 oder noch mehr Wellensittichen eine tolle Zeit erleben.