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Gesunde Wellensittiche aus guter Hand

Vor der Anschaffung von Wellensittichen stellen sich die meisten Menschen die Frage, woher sie die Vögel am besten beziehen sollen. In den meisten Fällen wird sich der zukünftige Halter für Tiere aus der Zoohandlung oder von einem Vogelzüchter entscheiden. Da es in diesem Gewerbe leider sehr viele "schwarze Schafe" gibt, denen der Profit wichtiger als das Wohl der Tiere ist, sollte man beim Kauf ein paar Dinge beachten. Unsere Zusammenstellung gibt hierfür wichtige Anhaltspunkte, die selbstverständlich auch bei Tierheim- bzw. Abgabevögeln angewandt werden können.

Käfige und Volieren

Zuchtanlagen bzw. Verkaufskäfige in Zoohandlungen sollten großzügig und hell sein und müssen einen gepflegten, sauberen Eindruck machen.

Dabei ist darauf zu achten, dass

  • die Einstreu frisch ist und nicht riecht.
  • die Futter- und Wassernäpfe gut gefüllt und nicht verschmutzt sind.
  • die Sitzstangen und das Spielzeug nicht übermäßig vollgekotet sind.

Verschmutzte, dunkle Käfige mit zu vielen Vögeln können sich negativ auf den Gesundheitszustand ihrer Bewohner auswirken. Papageienvögel und vor allem die Jungtiere reagieren sehr empfindlich auf Verschmutzungen, was sich beispielsweise durch Parasitenbefall oder Infektionskrankheiten äußert. Eine Überbesetzung der Volieren führt zu Stress bei den Vögeln, ihr Immunsystem ist geschwächt und sie sind dadurch anfälliger für Krankheiten, die sich bei zu vielen Vögeln natürlich auch besonders schnell ausbreiten können.

Oftmals hört man die Ausrede, dass der Käfig gerade gereinigt werden sollte oder dass der Dreck den Tieren nicht schaden würde. Diese Ausflüchte sollte man nicht akzeptieren und sich lieber auf den ersten Eindruck verlassen.

Die Auswahl des Vogels

Ein gesunder Wellensittich

Bild rechts: Jungvogel (etwa im gleichen Alter wie der Welli auf dem zweiten Bild). So sieht ein gesunder Wellensittich aus: Glattes Gefieder, alle Schwungfedern vorhanden, gut genährt.

Machen Volieren und Umgebung der Vögel einen guten Eindruck, sollte man sich als Nächstes die Wellensittiche anschauen. Durch genaues Beobachten kann man recht schnell eventuell vorhandene Krankheiten erkennen.
Weisen Schnabel, Augen oder Füße weißliche Verkrustungen auf, kann dies auf einen Befall mit Grabmilben hindeuten. Diese werden fast immer von den Elterntieren auf die Jungvögel übertragen. Ein verantwortungsvoller Züchter wird diese Tiere nicht zum Verkauf anbieten, sondern von einem Tierarzt behandeln lassen.

Ein gerupftes Küken

Bild rechts: Gerupftes Küken. Da das Rupfen sehr früh bemerkt wurde, ist der Schaden in Grenzen geblieben. Man sieht sehr deutlich, dass nur das Kleingefieder betroffen, also der Flaum gerupft worden ist.

Zerzaustes, evtl. sogar unvollständiges Gefieder (vor allem fehlende Schwanz- und Schwungfedern) oder gar Flugunfähigkeit eines Vogels sollten einen grundsätzlich vom Kauf abhalten. Dies gilt auch, wenn der ausgesuchte Vogel selbst nicht betroffen ist, sondern ein anderer in der Voliere. Ein Vogel mit Gefiederschäden kann von potenziell ansteckenden Viren, wie Polyoma oder PBFD, befallen sein. Mit dem Kauf eines solchen Vogels würde man auch die Gesundheit eventuell bereits vorhandener Wellensittiche gefährden.

Ein deutlicher Gefiederschaden

Bild rechts: Jungvogel mit Gefiederschaden: Hier kann man deutlich einen Gefiederschaden am Großgefieder erkennen. Es sind nur zwei oder drei Schwungfedern vorhanden. Der Käuferin wurde gesagt, dass der Vogel angeblich nur gerupft wurde.

Viele Zoohandlungen und Züchter argumentieren jedoch, dass der betroffene Vogel nur von den Elternvögeln gerupft worden sei und deswegen Gefieder- oder Flugprobleme habe, was aber leider in den wenigsten Fällen zutreffend ist. Wurde ein Jungvogel tatsächlich gerupft, so liegen die betroffenen Stellen meist an Nacken oder Rücken, keinesfalls fehlen Schwung- oder Schwanzfedern.

Bereits mit 4 Wochen ist das Großgefieder komplett

Bild rechts: Dieses Küken ist vier Wochen alt und damit noch nicht flügge und nicht futterfest. Hier kann man sehr deutlich sehen, das auch bei einem Küken das Großgefieder vollständig vorhanden sein muss.

Ein weiteres häufiges Argument für die Flugunfähigkeit eines Vogels ist, dass das Tier noch zu jung zum Fliegen sei. Dies trifft in einigen Fällen tatsächlich zu, was man an seinem noch nicht vollständig ausgewachsenen Großgefieder erkennen kann. Küken sollten bei der Abgabe ein Alter von min. 7 bis 8 Wochen haben, optimaler ist es, wenn sie bereits älter als 8 Wochen sind. So ist es sicher, dass sie futterfest und sozialisiert sind.
Sitzt der Vogel jedoch aufgeplustert abseits von den anderen, deutet dies auf eine Erkrankung hin.

Weitere Krankheitsanzeichen sind:

  • mit Kot verklebte Kloake
  • verklebte oder gerötete Augen
  • Nasenausfluss
  • häufiges Niesen
  • Würgen

Geschlecht des Vogels

Ein guter Züchter sollte auch bei einem Jungvogel das Geschlecht schon mit relativer Sicherheit erkennen können. Bei den Angestellten einer Zoohandlung, auch wenn es sich um eine vorbildlich geführte handelt, sollte man dies nicht voraussetzen. Die Beurteilung des Geschlechts setzt einiges an Erfahrung voraus, die man auch von gut geschultem Personal nicht unbedingt erwarten kann.

Ringpflicht

In Deutschland ist es Pflicht, alle nachgezogenen Papageienvögel im Rahmen des Psittakosegesetzes zu beringen. Jeder Züchter, der eine ordnungsgemäße Zuchtgenehmigung (ZG) besitzt, hat seine Vögel bei Abgabe an Zoohandlungen oder Privathalter zu beringen. Dies kann eine offene oder geschlossene Beringung sein, je nach Zugehörigkeit zu einem Verband.
Züchter ohne gültige ZG können keine Ringe bei der zuständigen Behörde beziehen und folglich auch ihre Abgabevögel nicht beringen.
Beim Vogelkauf ist also grundsätzlich auf eine Beringung der Tiere zu achten. Gibt ein Züchter unberingte Tiere ab, sollte dies unverzüglich dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden, da es sich um einen Gesetzesverstoß handelt und strafbar ist. Tierheimvögeln fehlt oft der vorgeschriebene Ring - in den meisten Fällen werden die Tiere hier nicht nachberingt. Da dies auch vom Gesetz nicht vorgeschrieben ist, werden hier auf den zukünftigen Halter keinerlei Probleme zukommen.

Achtung: Durch die Aufhebung der Psittakoseverordnung im September 2012 sowie das Inkrafttreten des neuen Tiergesundheitsgesetzes im März 2013 entfällt ab sofort die Zuchtgenehmigung wie auch die Ringpflicht.

Mitleidskauf trotz schlechter Haltung?

Ein Vogel mit kleinen schwarzen Knopfaugen sitzt abseits und aufgeplustert in der Verkaufsvoliere – viele Wellensittichliebhaber kennen diese Situation nur allzu gut. Der Vogel macht einen sichtlich kranken Eindruck und man möchte ihm unbedingt helfen und ihn aus seiner jetzigen Lage befreien. Dabei sollte man jedoch die Konsequenzen bedenken: Der Züchter oder die Zoohandlung profitieren vom Verkauf des Vogels und der nächste Wellensittich aus derselben unseriösen Zucht rückt nach. Leider unterstützt man also ungewollt diese Zustände. Andererseits wird jedem klar sein, dass der eine Wellensittich in diesem Zustand meist kein langes Leben haben wird, wenn er nicht von einem Vogelliebhaber aufgenommen und gepflegt wird.
Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welcher Weg der richtige ist. Entscheidet man sich zum Kauf eines kranken Vogels, sollte man allerdings auch bedenken, dass er eventuell zeit- und geldaufwendige Pflege benötigt und dass keinesfalls der eigene Vogelbestand gefährdet werden sollte.

Vögel aus Tierheimen oder Pflegestellen

Einem solchen Vogel ein neues Zuhause zu schenken ist natürlich immer zu begrüßen, doch auch hier sollte sich ein verantwortungsvoller Halter die o.g. Punkte vor Augen führen.
Leider sind viele Tierheime nicht auf Vögel eingestellt - die Mindestuntersuchung beim Eingangscheck beläuft sich auf bloßes Betrachten und Abtasten.
Hier können also wie bei Züchtern oder Zoohandlungen auch kranke Tiere vorkommen.
Eine Nachfrage beim Tierheim schafft da schnell Abhilfe. Viele Tierheime sind bereit, während der Wartefrist auf Testergebnisse (die der neue potenzielle Besitzer natürlich auf eigene Kosten durchführen lassen muss) den Vogel weiterzubehergen und bei einem Positivbefund entsprechend zu handeln.

Auch sollte man die Tiere länger beobachten - zeigt sich eine deutliche Zuneigung unter einzelnen Wellensittichen, sollte man das Paar nicht trennen. Da den Mitarbeitern meist die Zeit zur intensiven Betreuung fehlt, fällt diesen so etwas oft nicht auf. Ist der Platz vorhanden, spricht sicher nichts dagegen gleich beide Vögel mitzunehmen.

Grundsätzlich gibt es kein besseres Werk, als einem Abgabevogel ein neues Zuhause zu geben. Und gerade Vögel aus ehemals schlechten Verhältnissen machen einem sehr große Freude, wenn sie aufblühen und zu einem normalen und unbeschwerten Schwarmmitglied werden.

Eigentlich ist es gar nicht so schwer …

… einen guten Züchter bzw. eine Zoohandlung zu erkennen. Ein objektiver Blick auf die genannten wichtigen Punkte wie Umgebung und Zustand der Tiere und eine gesunde Skepsis im Zweifelsfall - und einem Vogelkauf ohne bitteren Nachgeschmack und bösen Überraschungen steht nichts im Wege.
Beobachtet man schlechte Haltungsbedingungen bei Züchtern oder Zoohandlungen, sollte man sich nicht scheuen Behörden wie das Veterinäramt einzuschalten. Der VWFD steht hierzu gerne über das Forum beratend zur Seite.

Wer ein Tierheim entdeckt, das offensichtlich nicht für eine längerfristige Unterbringung von Kleinvögeln geeignet ist, kann sich ebenfalls mit dem VWFD in Verbindung setzen. Wir arbeiten gern mit Tierheimen zusammen, um die Unterbringung zu verbessern.