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Wellensittiche aus zweiter Hand -
ein neues Leben für Pechvögel

Wellensittiche aus dem Tierschutz und private Abgabevögel

Wenn man mit dem Gedanken spielt einem Wellensittich aus dem Tierschutz ein Zuhause zu geben, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass diese Tiere möglicherweise nicht artgerecht gehalten wurden und folglich besonders viel Zuwendung und Aufmerksamkeit benötigen. Oft genug weiß man sehr wenig über diese Vögel, manchmal nicht einmal ihr Alter.

Vögel aus dem Tierheim entpuppen sich all zu oft als wahre Schätze

Es gibt verschiedene Abgabestellen: Anzeigen in der örtlichen Presse, das nächste Tierheim oder Vermittlungsforen im Internet, z.B. das des VWFD. Kommt man direkt mit dem Vorbesitzer in Kontakt, so sind die Chancen am besten, möglichst viel über den Wellensittich zu erfahren. Allerdings sollte man sich keinesfalls auf die Aussage verlassen, dass der Abgabevogel kerngesund sei. Bei Angaben zum Geschlecht des Vogels wurde schon so manche Fehlinformation weitergegeben und dass der Abgabevogel eventuell krank sein könnte, ist vielen Haltern auch nicht immer bewusst.

Während man bei einer Anzeige in der Zeitung nur wenig über den betreffenden Wellensittich erfährt, finden sich in einem Vermittlungsforum im Internet oft schon mehr Informationen über einen Vogel, fast immer mit Fotos. Das hat den Vorteil, dass man sich schon vorab ein Bild von dem Tier und seinem bisherigen Halter machen und sich austauschen kann. Hier werden auch viele von privaten Tierschützern oder Vereinen wie dem VWFD gerettete Sittiche vermittelt. Allerdings muss man hier auch ein bisschen Geduld mitbringen, da nicht immer auf Anhieb der passende Traumvogel in der Nähe zu vermitteln ist. Mit etwas Geduld und manchmal auch mit einer angebotenen Transportmöglichkeit lässt sich jedoch oft Abhilfe schaffen.

Auch viele Tierheime haben Wellensittiche in der Vermittlung; hier ist es sinnvoll, sich vorab darüber telefonisch zu erkundigen. Leider wird gerade bei Tierheimen oft erwartet, dass man dort nur gesunde Tiere bekommt. Man sollte jedoch bedenken, dass gerade Tierheime auf freiwillige Helfer und auf Spenden angewiesen sind. Oft genug besitzen die Mitarbeiter kein großes Wissen über Ziervögel und in der alltäglichen Hektik (jedes Tier zu versorgen), wird ein kranker Vogel schnell übersehen, zumal man gerade bei Wellensittichen genau hinsehen muss, um Krankheitsanzeichen zu erkennen. Hinzu kommt, dass die Tierärzte, die mit den Tierheimen zusammen arbeiten, meist nicht vogelkundig sind.

Quarantäne und Eingangsuntersuchung

Unabhängig von der Herkunft des Abgabevogels, muss vor der Vergesellschaftung immer eine Quarantänezeit eingehalten werden. Der Eingangscheck sollte beim vogelkundigen Tierarzt erfolgen. Quarantäne heißt in diesem Fall, dass der neue Vogel räumlich von den vorhandenen Tieren getrennt wird und es zu keinem Kontakt zwischen ihnen kommt. Oft ist es so, dass sich die Vögel dann zwar hören, aber nicht sehen können. Man sollte sich jedoch nicht von den Kontaktrufen der Vögel davon abhalten lassen, die Untersuchungsergebnisse des Tierarztes abzuwarten. Nur so lässt es sich weitgehend ausschließen, dass man ansteckende Krankheiten in den eigenen Schwarm einschleppt.

Zur Eingangsuntersuchung gehört das Abtasten des Vogels und die Untersuchung auf äußere Krankheits- und Verletzungsanzeichen.Desweiteren sollten ein Kropfabstrich und eine Kotuntersuchung auf Chlamydophila, Bakterien, Pilze und Parasiten erfolgen. Bei Gefiederstörungen sollte auch an einen Test auf Polyoma oder PBFD gedacht werden. Bei Verdacht auf Organerkrankungen oder auf Knochen- oder Gelenkerkrankungen ist möglicherweise eine Röntgenuntersuchung angebracht. Die Quarantäne muss solange eingehalten werden, bis die Untersuchungsergebnisse von Tierarzt und Labor vorliegen. In der Regel dauert dies ca. 2 Wochen. Würde man auf diese erste Untersuchung beim Tierarzt verzichten, müsste man den neuen Wellensittich für mehrere Monate von den anderen Vögeln separieren, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Absolute Sicherheit und eine Garantie auf einen gesunden Wellensittich hat man jedoch nie, egal ob beim Züchter, aus dem Zooladen oder aus dem Tierschutz. Manchmal ist es einfach so, dass ein Krankheitserreger in einem Vogel schlummert und erst nach Monaten ausbricht. Die oben beschriebenen Untersuchungen und Schutzmaßnahmen sind generell wichtig, nicht nur bei einem Abgabevogel.

Mit der Aufnahme eines Vogels “aus zweiter Hand” kann man sicher sein, etwas Gutes zu tun. Jedes Tier hat es verdient, ein schönes Zuhause zu finden.

Schutzverträge und Schutzgebühren

Nimmt man einen Wellensittich aus dem Tierheim auf, so ist dies oft mit einem Schutzvertrag und manchmal mit einer Schutzgebühr verbunden. Der Schutzvertrag dient allen Beteiligten und mehr noch dem Tier als Sicherheit. Die Schutzgebühr hat meist eher symbolischen Wert, denn sie kann nur einen geringen Anteil der Kosten für den Vogel decken. Gerade wenn hohe Tierarztkosten angefallen sind, ist es kaum noch möglich diese an den neuen Besitzer weiterzugeben, da dann die Gefahr bestünde, dass niemand mehr dieses teure Tier aufnehmen möchte.

Aber auch für jeden anderen, der einen Wellensittich abgeben oder aufnehmen möchte, ist es sinnvoll einen Schutzvertrag aufzusetzen. Für die aufnehmende Person bietet der Vertrag die Sicherheit, dass der Vorbesitzernicht nach ein paar Tagen oder gar Wochen den Vogel zurückverlangt. Der Vorbesitzer dagegen hat die Sicherheit, dass sein Vogel nicht zur Zucht missbraucht oder einfach weitergegeben wird. Gerade in der letzten Zeit hat es in den Internetforen immer wieder Fälle gegeben, in denen jemand angeboten hat, gleich ganze Gruppen von Wellensittichen aufzunehmen. Diese Personen haben die Vögel jedoch nicht aufgenommen um ihnen ein neues Zuhause zu bieten, sondern um sie nach einer Weile gewinnbringend weiterzuverkaufen. Mit einem Schutzvertrag kann man dieses kriminelle Verhalten zwar nicht verhindern, aber man hat etwas in der Hand um gegen solche angeblichen Tierfreunde vorzugehen.

Schutzvertrag zur Verwendung für Nicht-Mitglieder.

Erfahrungsberichte Tierheimvögel