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Ein sicheres Freiflugparadies für Wellensittiche

Freiflug

Täglicher Freiflug ist für alle Ziervögel ein absolutes Grundbedürfnis. In ihrer australischen Heimat fliegen die wildlebenden Wellensittiche viele Kilometer am Tag, daher ist es auch für Vögel in Menschenobhut wichtig, täglich ausreichend Freiflug zu bekommen.
Ein nicht gerade kleiner Teil der Wohnungsvögel ist bereits übergewichtig, was neben einseitiger und übermäßiger Fütterung nicht zuletzt auch an mangelnder Bewegung liegt.

Vasen kann man sichern

Deshalb sollte man den Vögeln unbedingt täglich mehrere Stunden Freiflug im Zimmer gönnen, damit diese ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachgehen können.
Allerdings lauern auf unsere neugierigen Freunde einige Gefahren bei ihren täglichen Entdeckungsreisen durchs Freiflugzimmer. Es ist wichtig diese zuerst zu erkennen und sie dann zu beseitigen. Dabei soll unsere Zusammenstellung helfen.

Allgemeine Gefahren


  • Spalten hinter Schränken: Die meisten Wellensittiche lieben es, auf ihren Rundflügen durchs Zimmer auf Schränken und anderen Möbeln Rast zu machen, da diese oft den höchsten Landeplatz bieten. Dabei kann ihnen allerdings der kleine Spalt, der zwischen Schrank und Zimmerwand ist, leicht zur tückischen Falle werden. Aus Unachtsamkeit oder auf der Suche nach einer geeigneten Bruthöhle kann der Vogel schnell hinter den Schrank fallen oder dort eingeklemmt werden. Leider finden sie ihre Halter in diesem Versteck oft erst, wenn es schon zu spät ist. Aus diesem Grund sollte man vor dem ersten Freiflug das Freiflugzimmer gründlich auf versteckte Spalten und Ritzen untersuchen, in denen sich unsere gefiederten Freunde festklemmen oder in die sie hineinfallen könnten. Man kann diese mit dünnen Brettern oder Handtüchern abdecken bzw. verstopfen. Bitte unbedingt darauf achten, dass z. B. Schranktüren und Schubladen nicht einen Spalt geöffnet sind. Und auch an versteckte Gefahrenquellen denken, wie z.B. Heizungsrohre, zwischen denen sich ein neugieriger Sittich einklemmen kann.
  • Schwingdeckel von Mülleimern: Landet der Wellensittich auf einem solchen Deckel, kann er leicht in den Mülleimer fallen und sich nicht mehr selbst befreien.
  • Offene Türen und Fenster: Türen und Fenster sollten während des Freiflugs geschlossen sein, um ein Entfliegen der Vögel zu verhindern. Den Tieren genügt oft ein winziger Spalt, um das Zimmer zu verlassen. Auch Vorhänge oder Gardinen vor gekippten Fenstern bieten keinen ausreichenden Schutz. Außerdem lieben es viele Wellensittiche, oben auf der Türkante zu sitzen. Wenn nun ein unachtsamer Mitbewohner die Tür schließt oder diese durch einen Windstoß zufällt, kommt es schnell zu bösen Quetschungen der Wellensittichfüße. Auch beim Öffnen der Tür zum Freiflugzimmer ist Vorsicht geboten, da ein Vogel direkt hinter der Tür sitzen könnte.
  • Wellensittiche als Fußgänger: Viele Wellensittiche lieben auch ausgiebige “Spaziergänge” auf dem Fußboden. Bitte seien Sie hier besonders aufmerksam, damit sie ihre kleinen Freunde nicht aufgrund ihrer geringen Größe übersehen.
  • Glasscheiben und Spiegel: Diese sind für Wellensittiche besonders im Flug nur sehr schwer oder gar nicht zu erkennen und eine Kollision ist oft leider nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch zu sehr ernsthaften Folgen wie Blutergüssen, Schnabelbrüchen, Gehirnerschütterungen oder ähnlichem führen. Wir empfehlen daher dringend, diese Flächen mit Gardinen oder Vorhängen abzudecken oder zumindest mit Aufklebern zu versehen, um sie leichter erkennbar zu machen. Bei Gardinen und Vorhängen ist allerdings darauf zu achten, dass die Wellensittiche bei einem “Zwischenstopp” nicht mit ihren Krallen daran hängen bleiben können. Leider ist es bei größeren Glasflächen, wie z. B. in Wintergärten oder Fensterfronten, auch mit Hilfe von Aufklebern oder Window-Color® –Elementen kaum möglich, diese ausreichend zu sichern. Daher sind solche Räume als Wellizimmer eher weniger geeignet.
  • Fransen, lange Fäden, grobmaschige Stoffe: An vielen Teppichen, Gardinen oder auch Lampen können sich lange Fäden, Fransen oder ähnliches befinden. Die meisten Wellensittiche spielen sehr gerne mit diesen Dingen, was ihnen jedoch schnell zum Verhängnis werden kann. Die Fäden können sich um den Hals der Vögel wickeln und diese ersticken, ebenso können einzelne Gliedmaßen abgeschnürt werden. In grobmaschigen Stoffen, wie z. B. Gardinen, können die Vögel leicht hängenbleiben, sich nicht mehr selbst befreien oder beim Befreiungsversuch verletzen.
  • Plastiktüten: Durch ihre natürliche Neugier wollen Wellensittiche oftmals alles um sich herum erforschen und untersuchen. Bei achtlos liegengelassenen Plastiktüten besteht die Gefahr, dass die Tiere hineinkriechen und darin ersticken.
  • Klebrige Fliegenfänger: Diese haben im Wellensittichzimmer ebenfalls nichts zu suchen. Hier besteht die Gefahr, dass die Vögel daran hängenbleiben, sich das Gefieder verkleben oder sich daran vergiften.
  • Andere Haustiere: Auf die Gefahren, die von anderen Haustieren ausgehen, weisen wir hier hin.

Blumenvasen, Trinkgläser und andere Gefäße


Keine gefährlichen Öffnungen
  • Offene Gefäße: Blumenvasen, Gießkannen und Trinkgläser üben oftmals eine gefährliche Faszination auf Wellensittiche aus. Beim Sitzen auf dem Gefäßrand oder bei dem Versuch, vom Wasser zu trinken, kann der Vogel aber leicht das Gleichgewicht verlieren, hineinfallen und ertrinken. Auch wenn die Gefäße nicht mit Wasser gefüllt sind, sind die Vögel kaum in der Lage sich selbst zu befreien, da sie nicht senkrecht nach oben fliegen können.
  • Herumstehende Putzeimer: Hier wird die Gefahr des Ertrinkens insbesondere dadurch verschärft, dass die Wellensittiche die Schaumkrone auf der Wasseroberfläche für einen festen Landeplatz halten. Mit einem stark durchnässten Federkleid ist ihre Flugfähigkeit allerdings so stark eingeschränkt, dass sie sich auch hier nicht mehr selber befreien können. Auch sind die meisten Putzmittel für die Vögel giftig.
  • Gefüllte Badewanne: Hier ist die Gefahr dieselbe wie bei der Schaumkrone im Putzeimer.
  • Aquarien: Im Zimmer stehende Aquarien müssen unbedingt vollständig abgedeckt werden, damit unsere gefiederten Freunde nicht hineinstürzen können oder beim Badeversuch ertrinken, weil sie die Wassertiefe falsch eingeschätzt haben.

Verbrennungen


  • Deckenfluter: Eine oft übersehene Gefahr stellen Deckenfluter dar. Diese werden schon nach kurzer Zeit sehr heiß und können einem landenden Wellensittich schwerste Verbrennungen zufügen.
  • Bügeleisen & Co.: Auskühlende Bügeleisen und ähnliche Geräte, die sehr heiß werden, wie Waffeleisen oder Lockenstab, können den Vögeln ebenfalls schwere Verbrennungen zufügen.
  • Brennende Kerzen: Während des Freiflugs sollten keine Kerzen im Zimmer brennen. Kommt der Vogel mit der Flamme in Berührung, z. B. indem er zu nahe vorbeifliegt, kann sich sein Gefieder leicht entzünden.

Vergiftungen


Pflanzen auf ihre Verträglichkeit hin überprüfen
  • Zimmerpflanzen: Viele beliebte Zimmerpflanzen sind für Wellensittiche giftig. Gleiches gilt für Dünger in Blumenerde. Nähere Informationen zum Thema finden sie hier.
  • Bleibänder: Sie sollten im Wellensittichzimmer aus Gardinen und Vorhängen entfernt werden, damit sich Wellis nicht beim Knabbern eine lebensbedrohliche Bleivergiftung zuziehen. Auch Tiffanyschmuck enthält hohe Bleianteile und gehört daher nicht ins Wellizimmer.
  • Zigaretten: Auch der Inhalt eines Aschenbechers stellt eine enorme Gefahr für Wellensittiche dar, da die Tabakreste für die Vögel stark giftig sind. Im Wellensittichzimmer sollte ohnehin nicht geraucht werden, da die gesundheitsschädlichen Folgen des Passivrauchens aufgrund der Anatomie der Atmungsorgane beim Vogel noch stärker ins Gewicht fallen als beim Menschen. Aus denselben Gründen sollten Duftkerzen oder Öllampen im Wellizimmer tabu sein.
  • Imprägniersprays: Gerade in der nassen Jahreszeit imprägnieren viele ihre Kleidung in der Wohnung. Allerdings sind diese Sprays für Wellis sehr giftig. Auch aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit sollten solche Sprays nur im Freien verwendet werden.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema "Vergiftungen" findet man hier,
und weitere Gefahrenquellen, besonders zu festlichen Anlässen, hier.

Tabuzone Küche

Die Küche sollte aufgrund der vielfältigen Gefahren, die hier lauern, für die Wellensittiche nicht zugänglich sein. Schädliche Dämpfe z. B. von Pfannen mit Antihaftbeschichtung, heiße Herdplatten, kochendes Fett in der Friteuse, Spülwasser und noch vieles mehr machen die Küche zu einem für Vögel ungeeigneten Ort.

Natürlich ist es unmöglich, an dieser Stelle auf sämtliche Gefahren hinzuweisen. Vielmehr soll dieser Text Vogelhaltern helfen, ihr Gespür für mögliche Gefahren durch unsere Erfahrungen zu sensibilisieren.

Am schlimmsten wäre allerdings der Trugschluss, Wellensittichen aufgrund dieser Gefahren den Freiflug zu verwehren, denn durch die mangelnde Bewegung wären Übergewicht bis hin zur Verfettung, sowie damit einhergehende Krankheiten, angefangen von überstrapazierten und wunden Füßen über Kurzatmigkeit und allgemeine Schwerfälligkeit bis zu Herz- Kreislaufbeschwerden und der Bildung von Fettgeschwülsten, die unweigerliche Folge.

Freiflug

Bei den ersten Freiflügen seiner Wellensittiche wird der Halter noch etwas unsicher sein, ob er auch wirklich alle Gefahren beseitigt hat. Wir empfehlen deshalb, bei den ersten paar Ausflügen der neuen Mitbewohner im Zimmer zu bleiben, um noch vorhandene Gefahrenquellen erkennen und diese entschärfen zu können.

Um die Umsetzung unserer Ratschläge zu erleichtern, habe wir eine Liste der Gefahrenquellen beim Freiflug zusammengestellt.