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Wohngemeinschaften -
Wellensittiche und andere Tiere

Viele Wellensittichhalter verspüren den Wunsch, neben ihren Lieblingen noch andere Tierarten, wie etwa weitere Vögel, Hunde, Katzen oder Nager zu halten.
Dabei sollte man jedoch einige Regeln beachten, denn nicht alle Tierarten leben problemlos gemeinsam mit Wellensittichen.

Für alle Arten gilt:
Die Bedürfnisse der Tiere nach artgerechter Haltung stehen immer über dem Bedürfnis des Halters, viele verschiedene Tierarten zu besitzen.

Andere Vogelarten

Grundsätzlich sollte man sich daran orientieren, woher die Vogelarten ursprünglich kommen, ob ihre Lebensweisen, Aktivitätszeiten und Bedürfnisse vergleichbar sind. Brauchen sie sehr unterschiedliches Futter, kann die Fütterung problematisch werden. Sehr proteinreiches Futter, das für manche Vogelarten äußerst wichtig ist, wäre beispielsweise für Wellensittiche auf Dauer gesundheitsschädlich. Ferner sollte man sich fragen, ob die Arten auch in der Brutzeit verträglich sind, sie nachts auf der Stange schlafen oder Schlafhäuser benötigen. Schlafhäuser würden schnell zu Konflikten mit Wellensittichen führen, da diese die Schlafhäuser als Brutmöglichkeit ansehen. Dieses Problem kann man lösen, indem man ein Nagerheim umfunktioniert, und ohne Boden an der Wand befestigt.

Papageien
Von einer gemeinsamen Haltung von Wellensittichen und Papageien ist grundsätzlich abzuraten. Nicht nur die Vergesellschaftung mit den großen Vertretern wie Aras und Graupapageien, sondern auch mit den kleineren Agaporniden und Sperlingspapageien führt zu Schwierigkeiten.
Wie man oft bei seinen Wellensittichen beobachten kann, gehört es zu deren Verhalten, ihre Artgenossen ab und zu etwas zu hacken. Das ist ganz normal und auch unter Wellensittichen nicht schlimm. Wenn aber ein Papagei mit seinem kräftigen Schnabel dieses, auch für ihn normale, Verhalten auslebt, kann ein Wellensittich schlimme Verletzungen davontragen. Es kann zu abgebissenen Zehen, tiefen Wunden oder sogar zum Tod des Vogels führen. Gemeinsamer Freiflug, bzw. Freiflug im selben Zimmer, sollte ebenfalls vermieden werden. Der Papagei kann dem Wellensittich in die Füße beißen bzw. diese abbeißen, sollte der Welli auf seinem Käfig landen.

Andere Sittiche
Bourke- und Wellensittich Unter den Sittichen gibt es sowohl Arten, die man gemeinsam mit Wellensittichen halten kann, als auch einige, bei denen von einer Vergesellschaftung abgeraten wird.
Pennantsittiche sind oft etwas aggressiver, es könnte also zu Problemen kommen; auch Sonnensittiche können die kleineren Wellensittiche schwer verletzen.
Eine gemeinsame Haltung von Wellensittichen und Nymphensittichen funktioniert meistens ganz gut; ebenso mit Gras- oder Bourkesittichen. Hier gilt allerdings, dass die ruhigeren Arten genug Rückzugsmöglichkeiten vor den quirligen Wellensittichen haben müssen. Bei den Gras- und Bourkesittichen muss zusätzlich beachtet werden, dass diese dämmerungsaktiv sind, also noch fliegen, wenn die Wellensittiche schon schlafen, dafür aber am Tag öfter mal ihre Ruhe haben möchten. Die Größe der Behausung sollte demnach angemessen sein. Am günstigsten ist ein Vogelzimmer mit 24 h Freiflug oder eine große Außenvoliere. In jedem Fall sollte jede Vogelart ihren eigenen Käfig/Voliere als Rückzugsmöglichkeit bekommen.
Katharinasittiche vertragen sich normalerweise auch gut mit Wellensittichen; bei ihnen muss aber beachtet werden, dass sie ein anderes Futter benötigen.

Finken und Kanarienvögel
Sir Henry und Miss Quitschie, eine Kanariendame In vielen Fällen klappt das Zusammenleben von Wellensittichen und Finken bzw. Kanarienvögeln, ausreichend viel Platz vorausgesetzt, sehr gut.
Es kann aber auch zu Problemen kommen. So kann es passieren, dass die Wellensittiche die Nester oder die Eier der Finken oder Kanarienvögel zerstören. Außerdem können die, in diesem Fall kräftigeren, Wellensittiche die kleineren Vögel mit ihren Schnäbeln verletzen. Manchmal funktioniert das Zusammenleben lange gut, da die Finken oder Kanarienvögel meistens einen gewissen Sicherheitsabstand zu den Wellensittichen halten. Doch selbst in solchen Fällen kann es passieren, dass ein Vogel von einem Wellensittich angegriffen wird, da er zu müde oder krank ist, um ihm auszuweichen.
Aus diesem Grund sollte die Vergesellschaftung immer gut beobachtet werden und jeder Art genug Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten (mehrere Volieren) gegeben werden.

Festzuhalten ist also, dass bei einer Vergesellschaftung von Wellensittichen mit anderen Vögeln ausreichend Platz vorhanden sein sollte und man immer auf die jeweiligen Bedürfnisse der Arten achten muss. Es sollte nicht so sein, dass man sich eine zweite oder dritte Art holt, nur um möglichst viele verschiedene Vögel zu besitzen.
Wenn man nicht über genug Platz verfügt oder nicht die Möglichkeit hat allen Vögeln gerecht zu werden, würden sich die Wellensittiche bestimmt am meisten über weitere Artgenossen freuen.

Pelzige Mitbewohner, Fische & Co.

Bei der gemeinsamen Haltung von Wellensittichen und den unten aufgeführten Tierarten ist meist eine räumliche Trennung zu empfehlen. Doch mit ausreichend Platz und Verständnis für die unterschiedlichen Bedürfnisse, dürfte auch hier die Haltung in einem Haushalt möglich sein.

Hunde und Katzen
Katze Hunde und Katzen sind von Natur aus Jäger. Auch wenn der Hund noch so gut erzogen ist und die Katze die gutmütigste der Welt zu sein scheint, folgen diese Tiere noch immer ihren Jagdinstinkten. Aus diesem Grund sollten Hunde und Katzen nicht im Zimmer sein, wenn die Wellensittiche frei fliegen. Auch wenn man selbst anwesend ist, kann man im Ernstfall oft nicht schnell genug reagieren. Haben ein Hund oder eine Katze erst einmal einen Wellensittich erwischt, kann dieser so schlimme Verletzungen davon tragen, dass er stirbt.
Auch wenn die Vögel im Käfig sind, kann es leicht passieren, dass die Katze auf den Käfig springt und die Vögel in ihrer Panik versuchen loszufliegen und sich verletzen. Auch so mancher Vogel wurde von den Krallen einer Katze durch die Käfiggitter hindurch schwer verletzt. Ein Hund kann ebenfalls aus lauter Neugier an den Käfig springen, was dasselbe Verhalten der Vögel zur Folge hat.
Hält man Vögel und Hund oder Katze gemeinsam, sollte man also immer aufmerksam sein und die Tiere nicht unbeaufsichtigt zusammen lassen. Bei der Abwesenheit des Halters muss sichergestellt sein, dass Hund oder Katze keinen Zugang zum Vogelzimmer haben. Notfalls sollte das Zimmer abgeschlossen werden.
Lebt zurzeit nur eine Tierart, also entweder Hund bzw. Katze oder Wellensittiche, in der Wohnung und wird über die Anschaffung der anderen Art nachgedacht, sollte man sich gut überlegen, ob man beiden Tierarten gerecht werden kann. Ausschlaggebend sollten nicht der Wunsch des Halters, sondern die Bedürfnisse der Tiere sein.

Fische
Die Haltung von Wellensittichen und Fischen in einem Zimmer ist relativ problemlos, solange man auf ein äußerst wichtiges Detail achtet: Das Aquarium muss so abgedeckt sein, dass die Vögel nicht ins Wasser fallen können. Wellensittiche können nicht schwimmen und hätten keine Chance sich aus dem Wasser zu retten; sie würden ertrinken!

Hamster
Goldhamster Wenn sich Hamster und Wellensittiche ein Zimmer teilen, ergibt sich das Problem der unterschiedlichen Lebensrhythmen. Wenn die Vögel wach und damit laut sind, hat der Hamster Schlafenszeit und umgekehrt. Die Ruhephasen sind aber für beide Tierarten sehr wichtig und sie sollten in dieser Zeit nicht gestört werden. Daher müssten Wellensittiche und Hamster in getrennten Räumen gehalten werden.

Kaninchen und Meerschweinchen
Bei diesen Tieren ist das Gehör so gut ausgebildet, dass die ständig quasselnden Wellensittiche sehr störend sein können. Aus diesem Grund wäre eine räumlich getrennte Unterbringung von Vorteil. Auch haben Kaninchen und Meerschweinchen sehr kräftige Zähne und könnten Wellensittiche schwer verletzen, wenn diese auf dem Käfig landeten oder ihnen im Freigehege zu nahe kämen.

Farbratten
Auch diese Nager haben ein sehr feines Gehör, sodass sie unter den lauten Tönen der Wellensittiche leiden würden. Des Weiteren sind Ratten vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Der Lebensrhythmus beider Tierarten ist folglich nicht miteinander vereinbar. Beim gemeinsamen Freiflug bzw. Freigang in der Wohnung können Ratten die Wellensittiche schwer verletzen, da kleine Vögel zu den Beutetieren der Ratten gehören. Selbst wenn die Wellensittiche während des Freigangs der Ratten im Käfig bleiben, besteht dennoch die Gefahr, dass die Vögel durch das Gitter hindurch verletzt werden. Man sollte nie die Kletterkünste einer Ratte unterschätzen, die es ihr ermöglichen, auch an schwer zugängliche Stellen zu gelangen.
Getrennte Räume sind hier also eine Voraussetzung für die gemeinsame Haltung.

Farbmäuse, Rennmäuse & Co.
Genau wie die Farbratten verfügen Mäuse über ein sehr gutes Gehör: Das Piepsen und Kreischen der Wellensittiche ist für sie sehr unangenehm. Da Mäuse ebenso dämmerungs- und nachtaktiv sind, ist eine Haltung in getrennten Räumen unbedingt erforderlich.

Dieser Beitrag ist als Erstinformation gedacht, wenn man Wellensittiche mit anderen Tierarten gemeinsam halten möchte.
Selbstverständlich sollte man sich über die jeweiligen Tierarten und deren Bedürfnissen vor dem Einzug noch intensiver informieren, damit das Zusammenleben auch wirklich funktioniert.
In unserem Forum finden sich im Übrigen auch viele Mitglieder und User, die Erfahrung in der gemeinsamen Haltung verschiedener Tierarten haben und gerne darüber Auskunft erteilen. Ein Besuch lohnt sich!