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Sommer, Sonne, Hitze

Mit den steigenden Temperaturen kommt auch immer die Sorge um den geliebten Vogel – wie viel Temperatur verträgt er? Wie verschafft man Abkühlung? Ist der Ventilator gefährlich?

Die Erfrischung kommt vom "Poster"

Grundsätzlich muss man bedenken, dass der Wellensittich aus Australien kommt – hohe Temperaturen kann er vertragen, sein Körper ist darauf eingestellt. Ein Vogel kann jedoch nicht schwitzen, Wärme leitet er über abgestellte Flügel und Hecheln ab.
In Australien verbringen die Tiere außerhalb der Bruten die heißeste Zeit des Tages in ihren Schlafbäumen, dort dösen sie oder beschäftigen sich mit Gefieder- und Sozialkontaktpflege. Morgens und abends herrscht rege Geschäftigkeit, da diese Zeit für die Futteraufnahme genutzt wird.
Der kleine Organismus ist ein Schnellverwerter der zugeführten Nährstoffe, jegliche Bewegung in hoher Temperatur erhöht den Verbrauch – daher haushalten die Tiere mit ihren Energiereserven.
Dieses Verhalten kann man auch bei unseren Hauswellensittichen beobachten.
Worunter die Tiere jedoch leiden, ist Stauwärme – staut sich die Wärme in einem Raum oder heizt sich ein Raum über den Tag hinweg auf, so wirkt sich das negativ auf die Vögel aus. Daher ist es notwendig regelmäßig zu lüften – dabei gilt es, die Vögel vor Zugluft zu schützen.

Welche Möglichkeiten bieten sich, die heißen Tage für die Wellis angenehmer zu machen?

Baden

Erfreuliche Bademöglichkeit: Nasse Kräuter

Nasse Kräuter, ein Teller mit Wasser oder eine Sprühflasche* können helfen. Leider nehmen die Tiere – sehr zum Verdruss der Halter – die dargebotenen Badegelegenheiten nicht zwingend an. Da heißt es Geduld zeigen und immer wieder verschiedene Möglichkeiten probieren. So kann ein Badeteller, in dem Grünzeug schwimmt, helfen die Furcht vor dem “tiefen” Nass zu nehmen. Die Sprühflasche mit handwarmem Wasser füllen, damit das ausströmende Wasser nicht unangenehm ist.

Offene Fenster

Hier kann Frischluft ins Welli-Zimmer

Ein geöffnetes Fenster, durch das eine milde Brise weht, ist natürlich hervorragend geeignet, um Erleichterung zu bringen. Doch muss man es entsprechend absichern. Handelsübliche Insektenschutz-Gaze ist nicht ausreichend! Beim Fensterbauer kann man Einklemmrahmen mit Edelstahlgitter erhalten. Auch eine Holzkonstruktion mit Edelstahlgitter (z. B. Volierendraht) ist eine gute Möglichkeit und kann mit etwas Geschick leicht selbst hergestellt werden.
Gekippte Fenster sind eine große Gefahr. Die Vögel suchen sich besonders gern einen Sitzplatz, der mit Frischluft versorgt wird – bei gekippten Fenstern ist dies oft der Fensterrahmen oder die Gardinenstange – der Weg in die Freiheit ist dann sehr kurz und schnell gefunden.
Geöffnete Fenster sind immer gegen Zufallen abzusichern. Ein Luftzug und schon klappt das geöffnete Fenster zu und schnell ist ein Vogel darin eingeklemmt. Schlimmstenfalls kann dies tödlich enden.
Stehen die geöffneten Fenster in der Flugbahn der Vögel, so kann es sinnvoll sein, das Fenster mit einem Tuch abzudecken. Andernfalls kann es passieren, dass die Tiere dagegen fliegen. Es ist jedoch möglich, nach einer Eingewöhnung an die neuen Gegebenheiten das Tuch zu entfernen. Auch Aufkleber etc. auf der Scheibe können helfen, sind aber manchmal nicht so effektiv, da die Tiere sich an die Flugbahn bereits gewöhnt haben.

Ventilatoren

Ventilatoren können eingesetzt werden, um die warme Raumluft zu erfrischen. Achten Sie hier darauf, dass frei fliegende Tiere nicht mit den Rotorblättern in Berührung kommen können. Auch die Schutzgitter, die verschiedene Ventilatoren aufweisen, können gefährlich sein, da sich die Tiere mit ihren Krallen darin verhaken könnten. Zudem ist die Zugluft der Welligesundheit nicht zuträglich. Doch stellt man den Ventilator so auf, dass die Tiere nicht in die Reichweite kommen und auch vor dem entstehenden Luftstrom geschützt sind, ist der Ventilator eine gute Möglichkeit, Mensch und Tier Erleichterung zu verschaffen.

Nachts lüften?

Das ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Räume herunterzukühlen. Dabei muss man natürlich ebenfalls beachten, dass die Tiere nicht durch das geöffnete Fenster gelangen können – entweder also die Tiere nachts einsperren oder das Fenster wie bereits beschrieben absichern. Sollte die Gefahr bestehen, dass z. B. Katzen ins Zimmer gelangen könnten, muss es unbedingt abgesichert werden, selbst wenn die Vögel eingesperrt sind. Der nächtliche Schrecken durch einen Jäger kann ebenfalls zu Unfällen führen und manche Jäger (Ratten, Marder) könnten durch die Gitter gelangen. Hereinfliegende nachtaktive Tiere wie Fledermäuse und große Nachtfalter könnten zu einer Panik unter den Vögeln führen.
Auch die Zugluft muss berücksichtigt und die Tiere davor geschützt werden. Der Temperaturabfall ist in unseren Breitengraden vernachlässigbar. Solange die nächtliche Temperatur nicht unter 10 Grad fällt und der Temperaturunterschied nicht mehr als 20 Grad beträgt, kann man ohne Bedenken das Fenster nachts geöffnet lassen. Gewöhnt man die Tiere daran, sind auch höhere Temperaturunterschiede (aber nicht unter 10 Grad) durchaus machbar.

Besuch im Grünen?

Die Tiere mitsamt der Voliere auf Balkon oder Terrasse zu stellen ist selbstverständlich eine willkommene Abwechslung für die Vögel. Dabei muss man jedoch vor Jägern Acht geben und sollte die Voliere nicht unbeaufsichtigt lassen. Bevor man die Tiere herausstellt, muss unbedingt überprüft werden, ob auch alle Türchen sicher schließen. Sollte sich eines öffnen, ist die Trauer groß, wenn ein Vogel entkommt.
Eine Gefahr geht auch durch die direkte Sonne aus – davor sollte man die Tiere schützen. Wie bereits erwähnt, suchen selbst die australischen Wellensittiche Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung.

Weitere Informationen zu dieser speziellen Thematik finden sich hier: Ausflug ins Grüne

Oben beschriebene Maßnahmen sind selbstverständlich auf die Innenhaltung zugeschnitten – in Außenvolieren haben die Tiere aufgrund der Frischluft und der Gewöhnung meistens wesentlich weniger Schwierigkeiten mit hohen Temperaturen. Hier muss jedoch auch zwingend für ausreichend Schatten gesorgt werden. Eine Möglichkeit zum Baden wird auch hier von manch badewilligem Welli freudig angenommen.

Transporte

Sollte eine Reise zu einem Tierarzt oder einer Pflege-/Vermittlungsstelle erforderlich sein, sollten einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Sofern kein Wasser bereitgestellt werden kann, genügt auch ein Stück Salatgurke für den notwendigen Flüssigkeitsbedarf. Des weiteren sorgen eine zugluftarme Klimaanlage oder ein feuchtes Tuch über dem Käfig für ein angenehmes Klima. Selbstverständlich sollte ein Vogel niemals alleine im Auto zurückgelassen werden - schon wenige Minuten in der Sonnenhitze können tödlich enden.

Können Wellensittiche dehydrieren?

Flügel spreitzen - eine typische Reaktion bei Hitze

Solange der Wellensittich ausreichend Frischwasser zur Verfügung hat, kann er nicht dehydrieren. Da er nicht durch Schwitzen seine Körpertemperatur reguliert, hat er auch nicht zwingend einen höheren Wasserbedarf. Die erhöhte Menge an Flüssigkeit, die durch das Hecheln abgegeben wird, ist so gering, dass ihr “Auffüllen” vom Menschen unbemerkt bleibt. Trotzdem kann man Wellensittiche bei hohen Temperaturen manchmal öfter an der Wasserschüssel sehen – dies hat wahrscheinlich eher den Grund, dass ein Schluck kühlen Wassers auch für Wellis erfrischend wirkt. Man muss sich als Halter nicht sorgen, wenn die Tiere nicht auffällig viel mehr trinken als sonst.

Weitere “Gefahrenquellen” im Sommer:

Durch geöffnete Fenster etc. kann leicht ein Zug entstehen – schon dieser ist bedenklich für die Tiere, doch noch gefährlicher ist das Risiko, durch zufallende Türen oder Fenster eingeklemmt zu werden. Demnach sollten alle Türen, Fenster etc., die geöffnet zum Draufsitzen einladen, gegen Zufallen gesichert sein.

Alte oder kranke Tiere haben manchmal größere Schwierigkeiten mit der Hitze – hier sollte man immer besondere Aufmerksamkeit walten lassen.
Obst und Wasser bieten bei gesteigerten Temperaturen geeigneten Nährboden für Keime und Bakterien. Daher sollte im Zweifelsfall kein Obst oder Keimfutter angeboten werden und das Trinkwasser zweimal am Tag gewechselt werden. Die Tiere sind auf mögliche Bakterieninfektionen hin zu beobachten – sollten Anzeichen auftreten, schnell zum vogelkundigen Tierarzt.

* Um die Besiedlung mit Keimen zu vermeiden, sollte die Sprühflasche direkt vor dem Einsatz mit kochendem Wasser gespült werden. Das heiße Wasser auch direkt im Becken wieder versprühen, damit auch Schläuche und Sprühdüse keimfrei sind.