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Amputation / Fehlendes Füßchen

Erfahrungsbericht von Manuela (Forumsnick: "Manu2211")

Im September 2006 stieß ich in der Rubrik „Wellis suchen ein Zuhause“ im Forum des VWFD auf den ca. 1,5 Jahre alten Hahn Lino. Dieser hatte in seinem alten Zuhause zuerst durch den Ring das linke Füßchen verloren und war dann auch noch aus selbigem Zuhause entflogen. Zum Glück gelang es einer Tierfreundin den kleinen Ausreißer einzufangen und da die vorherigen Besitzer kein Interesse mehr an ihm hatten und sie ihn auch nicht selbst behalten konnte, wollte sie ihn vermitteln.

Lino am Gitter

Schon die Bilder von Lino bewirkten, dass ich mich in den kleinen Kerl regelrecht verguckte. Nach einigen anfänglichen Bedenken, ob ich einem gehandicapten Vogel auch ein passendes Zuhause bieten könnte, beschloss ich Lino eine Chance zu geben.
So zog der muntere Hahn Anfang Oktober in meiner Voliere ein.

Schnell entpuppte sich Lino als geschickter Flieger, dem keine Kurve zu eng und kein Ast zu hoch war. Zu meinem Erstaunen ist er auch mit nur einem Fuß ein guter Läufer und Kletterer. Da ihm „nur“ das Füßchen fehlt, benutzt er den Unterschenkel zum Laufen und klettern. In den einzelnen Kästchen des Volierendrahtes findet er so gut Halt, dass er sogar mit Hilfe des Schnabels senkrecht nach oben klettern kann.
Ich konnte allerdings in der Quarantäne feststellen, dass Lino das Klettern in einem normalen Käfig mit waagerechten Stäben etwas schwerer fällt, da die Gitterstäbe weniger Halt geben als der Volierendraht und das Bein eher seitlich verrutscht.

Linos größtes Problem stellt die Mauser dar. Mit dem verbliebenen Beinstumpf kann er sich zwar eine Kopfseite kratzen, aber auf der anderen Seite ist er auf die Hilfe einer netten Henne angewiesen, die ihm das Köpfchen krault. In Cleo hat er diese nette Henne gefunden und inzwischen hat das pfiffige Kerlchen auch einen Weg gefunden sich zu kratzen, auch wenn von Cleo mal keine Hilfe zu erwarten ist:
Dazu legt er sich einfach, z. B. auf der Korkrinde, auf den Bauch und verdreht den Kopf und den Oberkörper so, dass er sich auch mit dem gesunden Fuß am Kopf kratzen kann. Als ich das das erste Mal gesehen habe, habe ich einen riesigen Schrecken gekriegt, da ich dachte, der Vogel hat Krämpfe oder einen Anfall oder sonst was. Leider ist es mir bis jetzt nicht gelungen, von diesen Verrenkungen ein Foto zu machen, da Lino jede Störung bei der Körperpflege mit lautem Gemecker quittiert.

Lino auf seinem Schlafplatz

Diese kleine Episode zeigt, dass man bei solchen Handicapvögeln jederzeit mit Überraschungen rechnen muss. Um sich vor weiteren unliebsamen Überraschungen zu schützen, sollte man bei einem Wellensittich wie Lino ein paar Dinge beachten:
Wichtig ist, den Beinstumpf regelmäßig auf Druckstellen und Verletzungen zu kontrollieren. Bei Lino ist der Stumpf sehr gut verheilt, daher lasse ich ihn komplett in Ruhe und creme ihn auch nicht zur Vorsorge ein. Ebenfalls wichtig ist eine breite Auswahl an gepolsterten und ungepolsterten Sitz- und Liegemöglichkeiten. Lino kann zwischen Ästen in verschiedener Stärke, Seilen, Schaukeln, Kokosschalen, Sitzbrettchen und Korkrinde wählen. Teilweise sind diese mit Küchenpapier gepolstert, das lässt sich leicht austauschen, wenn es verdreckt ist.

Fazit: Lino ist trotz seiner offensichtlichen Behinderung ein lebenslustiger und frecher Geselle, den ich in meinem kleinen Schwarm nicht mehr missen möchte. Inzwischen hat er sich zu einem echten kleinen Casanova entwickelt, vor dem keine meiner Hennen sicher ist.

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