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Leberprobleme und Beinbruch

von Manuela Güth (Forumsnick: “Manu2211”)

Ein gefiedertes Sorgenkind

Fritzi im Oktober 2007

Fritzi verdankt ihren Einzug Anfang Mai 2004 bei mir einem Irrtum meinerseits, war ich doch der festen Überzeugung, dass das quirlige blaue Gelbgesicht ein männlicher Wellensittich ist. Aber schon nach kurzer Zeit musste ich einsehen, dass ich nun drei Damen mit nur einen Hahn hatte. Also entschied ich mich dafür eine Voliere zu bauen und weitere Wellensittiche aufzunehmen. So ist Fritzi der eigentliche Grund dafür, dass ich nun bereits 11 der quirligen Sittiche beherberge.

Fritzi war von Anfang an stets in Bewegung, saß nie still, hatte kurz gesagt immer Hummeln im Hintern und meine Hände waren und sind eines ihrer Lieblingsspielzeuge. Nach etwa einem Jahr, die Vögel lebten zu dem Zeitpunkt bereits in der Voliere, veränderte sich das Verhalten der jungen Henne langsam und schleichend. Sie wurde deutlich ruhiger, zeigte nur noch wenig Aktivität, bewegte sich für einen gerade mal ein Jahr alten Wellensittich viel zu wenig. Sie machte keinen wirklich kranken Eindruck, aber sie war auch nicht mehr der wilde Vogel den ich bis dato kannte.

Also beschloss ich sie beim Tierarzt vorzustellen, der aber außer Übergewicht zu diesem Zeitpunkt nichts feststellen konnte. Da alle Abspeckversuche bei Fritzi fehlschlugen und sich auch ihr Verhalten nicht änderte, suchte ich den Veterinär einige Wochen später erneut auf. Da der Kot inzwischen eine leichte Gelbfärbung aufwies, schlug mein Tierarzt eine Röntgenuntersuchung vor um der Ursache auf den Grund zu gehen. Diese brachte dann auch eine Diagnose ans Tageslicht. Fritzi hat eine stark vergrößerte Leber. Normalerweise sind Herz und Leber auf dem Röntgenbild etwa gleich groß, aber bei Fritzi ist die Leber deutlich größer und das Herz war nicht mehr deutlich zu erkennen. Kurz darauf setzte bei ihr auch das für eine Lebererkrankung häufig typische Schnabelwachstum ein und das so stark, dass ich mit ihr alle zwei Wochen zum Tierarzt musste um den Schnabel stutzen zu lassen.

Vermehrtes Schnabelwachstum

An dieser Stelle kann ich nur eindringlich davor warnen, selbst Hand an einen zu langen Schnabel zu legen. Wenn ich sehe, wie Fritzi jedes Mal heftig herumzappelt, dann wird mir Angst und Bange. Ich darf gar nicht daran denken, was wäre, wenn man beim Schneiden abrutschen und den Vogel am Kopf oder an der Zunge verletzen würde. Auch muss man genau wissen, wie weit man den Schnabel stutzen kann.
Bis Ende 2006 wurde die Leber immer wieder mit Amynin behandelt. Zusätzlich bekommen alle meine Vögel verschiedene Globuli ins Trinkwasser um Herz und Leber zu unterstützen. Mit dieser Behandlung war Fritz weitgehend stabil und sogar das Schnabelwachstum verlangsamte sich soweit, dass es ausreichend war den Schnabel alle 4 Wochen zu kürzen. Bild rechts: Hier sieht man gut den wachsenden Schnabel. Die Aufnahme entstand vor dem Flugunfall.

Die letzte Kur mit Amynin bekam Fritzi im Dezember 2006 und dieses Mal vertrug sie das Mittel gar nicht mehr. Nach wenigen Tagen Behandlung war der Vogel schon bei der geringsten Anstrengung am pumpen wie ein Blasebalg. Der Kot bestand fast nur noch aus Wasser und wurde schließlich auch noch blutig. Natürlich passierte das ausgerechnet am Wochenende und so suchte ich mit dem gefiederten Häufchen Elend den Notdienst auf. Fritzi bekam dort eine Kombispritze die unter anderem Cortison und Vitamine enthielt und danach stabilisierte sich ihr Zustand langsam wieder.
Nach diesem Schock im Advent freute ich mich auf ein geruhsames Weihnachtsfest ohne weitere Zwischenfälle. Leider sorgte Fritzi am heiligen Abend für die nächste Bescherung.
Als ich am Abend einen anderen Wellensittich aus der Voliere gefangen habe, um diesen mit einer Salbe zu versorgen, muss sich Fritzi im Dunkeln erschreckt haben. Sie ist blind erst gegen die Wand, dann in ein Regal geflogen und schließlich auf dem Boden gelandet.
Im ersten Moment sah es so aus, als ob diese mehrfache Kollision ohne Folgen geblieben wäre. Nachdem sie sich vom ersten Schrecken eher als ich erholt hatte, flog Fritzi in die Voliere zurück. Ich habe sie danach auch in die Hand genommen und sie schien unverletzt zu sein. Sie hat beide Füße belastet und auch der Greifreflex war normal. Daher entschied ich mich dafür den Sittich über die Feiertage in Ruhe zu lassen und gleich im neuen Jahr meinen Tierarzt aufzusuchen. Leider begann Fritzi schon über die Weihnachtstage den linken Fuß zu entlasten und an den Gelenken bildeten sich gelbliche Knoten. Also war zwischen den Feiertagen doch ein Tierarztbesuch angesagt, wenn auch nicht bei meinem Haustierarzt. Anhand der gelblichen Knoten wurde eine Gicht vermutet und der Vogel sollte einmal täglich ein entsprechendes Medikament direkt in den Schnabel bekommen. Leider vertrug sie auch dieses Mittel nicht und schon nach der zweiten Gabe hatte ich einen Vogel auf dem Bauch liegen, der nur noch schlafen wollte und das Futter fast völlig verweigerte.

Nach dem Flugunfall zeigten sich erste gelbliche KnotenVergrößerter Bildausschnitt

Bilder:
Fritzi nach dem Flugunfall. Am linken Fuß bilden sich die ersten gelblichen Knoten, aber der Fuß ist noch nicht angeschwollen.

Nach einer Spritze vom Tierarzt und nachdem sie das wenige gefressene Futter heftigst erbrochen hatte, erholte sich Fritzi ganz langsam wieder. Nach dieser Erfahrung beschloss ich die wenigen Tage bis ins neue Jahr abzuwarten, auch um dem Vogel nach den bisherigen Behandlungen Ruhe zu gönnen, und dann gleich meinen Tierarzt aufzusuchen. In dieser Zeit wurden die gelblichen Knoten größer und der ganze Fuß deutlich dicker.
Mein Tierarzt konnte jedoch die Diagnose Gicht nicht bestätigen. Nachdem er die größten Knoten punktiert hatte, meinte er es könne sich um Abszesse handeln. Fritzi erhielt 10 Tage lang ein Antibiotikum über das Trinkwasser und den Fuß habe ich 3-4 mal täglich mit einer Salbe eingerieben. Ganz langsam besserte sich das Füßchen durch diese Behandlung. Der Vogel belastete den Fuß wieder mehr und auch die Schwellung ging zurück, jedoch nicht vollständig.
Also verwies mich mein Tierarzt an die Zier- und Wildvogelklinik in Hannover. Zu diesem Zeitpunkt lag der Unfall schon fast zwei Monate zurück. In Hannover wurde Fritzi dann erstmals nach der Kollision geröntgt und so kam ein bereits älterer Bruch genau im Fußgelenk ans Tageslicht, dessen Kallusbildung die Entzündungen in den Gelenken verursachte.

Mit stark geschwollenem FußVergrößerter Bildausschnitt

Bilder:
Hier ist der Fuß am stärksten angeschwollen.

Diese Diagnose kam für mich völlig überraschend, damit hatte ich nicht gerechnet, da der Vogel den Fuß ja direkt nach dem Unfall belastet hatte und zugreifen konnte. In der Tierklinik wurde mir das damit erklärt, dass der Fuß möglicherweise erst angebrochen war und später unter Belastung der Knochen ganz gebrochen ist.
Ich kann mir sogar denken wie es dazu gekommen ist, Fritzi hat nämlich eine Eigenart, die mir schon oft echte Kopfschmerzen bereitet hat. Sie lässt sich im Krankheitsfall einfach nicht isolieren. Sie tobt dann wie eine Wilde im Krankenkäfig herum und versucht mit allen Mitteln auszubrechen. So ist sie auch nach dem Unfall kopfüber unter der Käfigdecke herumgehangelt, was bei einem Beinbruch wohl kaum förderlich ist.
Nun musste ich Fritzi einmal täglich das Mittel Metacam in den Schnabel geben und zusätzlich bekam sie Kalzium und Vitamine über das Trinkwasser verabreicht. In den letzten Monaten besserte sich der Fuß durch diese Behandlung deutlich. Die Schwellungen gingen zurück und der Vogel belastet den Fuß inzwischen wieder komplett.

Die Schwellung ist zurück gegangenVergrößerter Bildausschnitt

Bilder: Hier ist die Schwellung einige Wochen später schon zurückgegangen. Die braune Verfärbung der Haut stammt von der Salbe mit der ich den Fuß eingecremt habe.

Trotzdem ist eine leichte Behinderung zurückgeblieben, denn richtig zugreifen kann sie nun mit diesem Fuß nicht mehr.
Auch die Leber ist momentan stabil, das Schnabelschneiden hat sich wieder auf einen Abstand von ca. vier Wochen eingependelt. Für einen chronisch kranken Wellensittich geht es Fritzi momentan sehr gut und ich hoffe sie bleibt mir noch lange erhalten.

Nachtrag:

Als ich diesen Erfahrungsbericht im Oktober 2007 geschrieben habe, ging es Fritzi für einen so kranken Vogel sehr gut. Leider hat sich ihr Zustand Anfang 2008 sehr schnell verschlechtert. Nachdem mein Tierarzt und ich fast einen Monat lang um sie gekämpft haben, mussten wir den Kampf Ende Januar aufgeben und Fritzi schweren Herzens über die Regenbogenbrücke ziehen lassen.

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