Pressetext des VWFD e. V.

Köln, 17. November 2006

Wellensittiche – Der Trend geht zur Schwarmhaltung

Schon seit fast 200 Jahren erfreuen sich Wellensittiche in vielen Ländern sehr großer Beliebtheit als Haustier. In schätzungsweise 3 Millionen Haushalten in Deutschland werden Wellensittiche gehalten. Dabei hat in letzter Zeit ein Umdenken bezüglich der tatsächlichen Bedürfnisse von Hansi, Bubi, Pucki und Co. stattgefunden. So verfolgen immer mehr begeisterte Tierhalter den Weg einer artgerechten Haltung der kleinen Australier im Schwarm.

In vielen Haushalten wurden Wellensittiche bisher alleine, in völlig ungeeigneten, viel zu kleinen Käfigen und mit nicht artgerechtem Zubehör, wie z. B. mit Spiegeln, Plastikstangen und Plastikvögeln, gehalten. Dies entspricht jedoch in keiner Weise den Bedürfnissen unserer gefiederten Freunde.
In ihrer Heimat Australien leben die Wellensittiche in großen Schwärmen, oft von mehreren 100 bis 1.000 Tieren. Diese Wurzeln stecken auch noch in unseren domestizierten Wellensittichen. Ein einzeln gehaltener Wellensittich wird daher unweigerlich seine Schwarmgenossen vermissen. Dies führt schließlich dazu, dass er ein völlig unnatürliches Verhalten zeigt. In seiner Not wendet er sich seinem Spielzeug als Ersatz für den fehlenden Partner zu, füttert den Spiegel mit Körnern – was nebenbei zu gefährlichen Kropfentzündungen führen kann – und bekommt doch keine Antwort von den leblosen Gegenständen. Auch der Mensch kann einem solchen Wellensittich, der seine Artgenossen vermisst, kein Ersatz sein! Wenn ein Einzelvogel dann anfängt zu sprechen, ist dies keinesfalls ein besonders niedliches Zeichen ausgeprägter Freundschaft mit dem Halter, sondern nur ein Nachahmen von Geräuschen und ein weiteres trauriges Zeichen seiner Einsamkeit.
Durch gezielte Aufklärungsarbeit und ein immer größer werdendes Bewusstsein für die wirklichen Bedürfnisse der Sittiche hat in der letzten Zeit ein Umdenken stattgefunden: Der Trend geht zur Schwarmhaltung. Moderne Halter haben mindestens zwei Wellensittiche und verbannen Plastikstangen, Spiegel, Plastikvögel und Rundkäfige auf den Müll. Wer einmal erlebt hat, wie ein bisher einzeln gehaltener Wellensittich plötzlich auflebt, wenn er in die Gesellschaft von Artgenossen kommt, wird nie wieder einen einzelnen, einsamen Vogel halten wollen! Das Verhalten der charmanten Krummschnäbel in Gruppenhaltung zieht einfach jeden in den Bann und vermag mit Liebes- und Eifersuchtsszenen, Clownereien und anderen Späßchen selbst den Fernseher zu ersetzen.
An dem Gerücht, dass Schwarmvögel nicht zahm werden, ist übrigens nichts Wahres: Mit viel Geduld, Einfühlvermögen und etwas Kolbenhirse lassen sich die meisten Wellensittiche auch im Schwarm auf die Hand locken und zähmen. Inwieweit sich ein Wellensittich dem Menschen zuwendet, hängt zudem auch zu einem großen Teil vom Charakter des Vogels ab. Manche sind so neugierig, dass sie schon nach wenigen Tagen auf die Hand kommen, andere behalten hingegen ihr ganzes Leben eine Scheu vor dem Menschen und zwar unabhängig davon, ob sie alleine oder im Schwarm gehalten werden.