Vergesellschaftung von Wellensittichen mit anderen Vogelarten

Man sieht es oft auf Bildern: Wellensittiche und andere Vogelarten friedlich Seite an Seite. Verständlich, dass da bei manchem Vogelbesitzer der Wunsch aufkommt, noch andere Arten zu halten.

Die Vergesellschaftung von Wellensittichen mit anderen Vogelarten ist jedoch oft problematischer, als sich die meisten Halter zu Anfang denken. Daher sollte eine solche Entscheidung nie spontan getroffen werden, sondern erst nach langer, ausführlicher Überlegung und ausreichender Recherche.

Auch wenn sich einige andere Vogelarten in Aussehen und Größe nicht unbedingt unterscheiden, können sich die speziellen Bedürfnisse so gravierend von denen der Wellensittiche differenzieren, dass es unweigerlich früher oder später Komplikationen geben wird. Aus diesem Grund passen viele andere Arten weder in den Alltag der Wellensittiche, noch in die des Halters.

Sich vorab gut zu informieren ist also das A und O vor der Eingliederung neuer Arten! Für das Einholen dieser Informationen eignet sich besonders das Internet, welches eine Fülle von aktuellen und detaillierten Infos bereithält. Zwar existiert über fast jede Vogelart entsprechende Literatur, aber leider ist diese oft veraltet und behandelt wichtige Themen nur oberflächlich. Auch der VWFD (Verein der Wellensittichfreunde Deutschland e.V., http://www.vwfd.de) leistet gerne Hilfestellung, wenn es darum geht, gute Vogel-Seiten oder geeignete Literatur ausfindig zu machen.
Erst wenn man sich ganz sicher sein kann, dass man sowohl den Wellensittichen, als auch der gewünschten anderen Art in jeder Weise gerecht zu werden, sollte man seine Idee auch in die Tat umsetzen.

Die GOLDENE Regel für alle Vogelarten heißt: Mindestens zwei von jeder Sorte. Bevor man also einen allein gehaltenen Wellensittich mit einer anderen Art vergesellschaftet, muss erstmal ein zweiter Wellensittich als Partner her. Vogel ist nicht gleich Vogel - ein Wellensittich versteht weder, was ein Nymphensittich erzählt, noch kann er umgekehrt seine Sprache sprechen.

Die Haltung mehrerer Vogelarten benötigt sehr viel Platz. Wenn dieser nicht vorhanden ist, ist die Anschaffung anderer Vögel prinzipiell eher keine gute Idee. Ein großer Käfig ist in der Regel selbst für zwei eher verträgliche Arten noch zu klein. Je mehr Raum zum Ausweichen für alle Vögel vorhanden ist, desto besser gelingt das Zusammenleben. Wer kein Vogelzimmer oder eine sehr große Zimmervoliere (ab 1,5 Metern Breite) mit dauerhaftem Freiflug bieten kann, muss die Anschaffung eines zweiten großen Käfigs oder einer Zimmervoliere für den geplanten Zuwachs einplanen.

Wellensittichen sagt man zwar nach, dass sie normalerweise ganz friedliche Gesellen sind, aber auch unter ihnen gibt es Miesmuffel, die kleineren Arten wie Finken gefährlich werden können. Sie sind durchaus in der Lage, einem kleineren Vogel mit einem gezielten Biss ein Beinchen zu durchtrennen. Umgekehrt kann ein einziger Schnabelhieb eines größeren Sittichs oder Papageien einen Wellensittich tödlich verletzen. Zwar sind einzelne Individuen bisweilen viel friedlicher, als man es ihrer Art nachsagt, jedoch gibt es nie eine Garantie für ein friedliches Zusammenleben!

Mit manchen Arten (z. B. Großpapageien) passen Wellensittiche so wenig zusammen, dass selbst getrennter Freiflug Risiken birgt: Auch durch Käfiggitter kann man in Füßchen beißen. Manchmal geht es nicht anders, als die “Anderen” getrennt von den Wellensittichen in einem anderen Raum zu halten. Von einer Vergesellschaftung sollte man dann von vornherein absehen und immer gut aufpassen, dass es beim Freiflug nicht durch eine kurzfristige Unachtsamkeit aufgrund einer geöffneten Tür, doch plötzlich versehentlich zu einem Aufeinandertreffen zweier unverträglicher Arten kommt.

Sind die Neulinge eingezogen, ist besonders in der ersten Zeit Vorsicht geboten, denn ob eine Vergesellschaftung auch wirklich klappt, ist im Voraus nie zu sagen. Daher dürfen zwei verschiedene Arten anfangs nie unbeaufsichtigt gelassen werden, denn nur, wenn man aufmerksam genug ist, kann bei einem Zwischenfall rechtzeitig eingegriffen werden. Aber auch wenn alles lange Zeit gut klappt: Krummschnäbel in Brutstimmung können sehr unangenehm werden. Eine Trennung ist in dieser Zeit ratsam.

Da Wellensittiche Schwarmtiere sind, freuen sich die vorhandenen Wellensittiche über artgleichen Neuzugang mehr, als über Mitbewohner fremder Arten. Neue artgleiche Schwarmkollegen sind also die unproblematischste Lösung, wenn man mehr Schwung ins Wellensittichleben bringen möchte.