Verhütung bei Wellensittichen - Wie verhindert man Nachwuchs?

Es herrscht oft der Glaube, dass ein Wellensittichpärchen unweigerlich irgendwann brütet, weshalb sich viele Menschen für zwei gleichgeschlechtliche Vögel entscheiden. Wenn man jedoch einige einfache Dinge beachtet, kann man bedenkenlos ein Weibchen und ein Männchen halten, ohne dass es zu Nachwuchs kommt:

Wichtig ist, keinen Nistkasten anzubieten. Eigentlich sollte dies ohnehin selbstverständlich sein, aber manchmal werden Nistkästen von ahnungslosen Zoofachverkäufern als "Schlafhäuschen" angeboten, was völliger Unsinn ist. Wellensittiche benötigen kein Schlafhäuschen. Nistkästen dienen ausschließlich zum Brüten und fördern dies enorm.

Der nächste Punkt ist, dass die Vögel beobachtet und am besten im Vorfeld der Vogelanschaffung schon alle dunklen Ecken abgedichtet werden sollten. Wenn die Vogeldame in Regalen, unter Schränken usw. dunkle, höhlenartige Ecken findet, regt dies den Bruttrieb ungemein an.
Hat sich die Wachshaut (über dem Schnabel) beim Weibchen braun verfärbt, ist besondere “Vorsicht” geboten, denn eine dunkle Verfärbung der Nasenhaut deutet auf akute Brutlust hin. Spätestens dann sollte es im Vogelzimmer keine dunklen Ecken mehr geben.

Ist die Wachshaut des Weibchens knackbraun und kommt es zu Gebalze und wilden Paarungen, so können die kleinen Racker etwas abgebremst werden. In Australien brüten Wellensittiche, wenn das Futterangebot reichlich und dadurch die Aufzucht des Nachwuchses gesichert ist. Daher sollte die Vogelkost in so einem Fall weniger eiweißreich und gehaltvoll sein. Hierzu kann man Quell- und Keimfutter für eine Weile vom Speiseplan streichen und die Obst- und Gemüsegaben etwas kürzen, bis die Tiere wieder ruhiger werden. Natürlich sollte es nicht zu wenig Futter sein, damit sie keine Mangelerscheinungen bekommen oder gar hungern.

Wenn es trotz aller Vorsicht oder aus Unkenntnis jedoch bereits zu einer Eiablage gekommen ist, ist schnelles Handeln angesagt. Die bereits gelegten Eier müssen entweder sofort gegen Plastikeier ausgetauscht werden, oder man kocht sie vorsichtig ab und legt sie der Henne wieder unter. Wichtig ist, dass dies wirklich sofort nach dem Legen geschieht, sonst tötet man den sich entwickelnden Embryo ab.
Man darf die Eier nicht einfach wegnehmen, denn ein Wellensittichweibchen wird immer versuchen, das Gelege zu vervollständigen. Deswegen wird sie munter weiterlegen, was sie dauerhaft schwächt und sogar zum Tod führen kann. Daher sollte man die Henne auf den Plastikeiern sitzen lassen, bis sie von selbst mit dem Brüten aufhört. Wenn sie sich zusehends länger von ihren Eiern entfernt und ihr Interesse merklich nachlässt, kann man die Eier (und falls noch ein Nistkasten vorhanden ist, auch diesen) wegnehmen.

Wenn das Weibchen permanent Eier legt und durch keine Maßnahme davon abzubringen ist, hilft eine Hormonbehandlung. Man sollte in diesem Fall einen vogelkundigen Tierarzt zurate ziehen und ihn auf diese Möglichkeit ansprechen.

Zuchtgenehmigung

Um Wellensittiche (bzw. Krummschnäbel überhaupt) zu züchten, muss man in Deutschland eine Zuchtgenehmigung besitzen, auch wenn es sich dabei nur um eine einmalige Vermehrung der gefiederten Mitbewohner im heimischen Wohnzimmer handelt und man die Küken selbst behalten möchte. Das Züchten ohne Genehmigung ist strafbar und wird mit Ordnungsgeldern bis zu 10.000 Euro geahndet. Die Zuchtgenehmigung wird in der Regel vom zuständigen Veterinäramt erteilt. Hierzu ist es erforderlich, sich bei der betreffenden Stadt- oder Kreisverwaltung zu erkundigen.
Leider behaupten einige Zoofachverkäufer, Tierärzte und sogar Amtsveterinäre immer noch, bei einer Vermehrung für den “Eigenbedarf” brauche man keine amtliche Erlaubnis. § 17g des Tierseuchengesetzes besagt jedoch das Gegenteil.

Für diese Regelung gibt es zwei wichtige Gründe:

1.) Krankheitsübertragung
Psittakose ist eine auf Menschen übertragbare Krankheit, die unbehandelt tödlich verlaufen kann. Im Fall einer Psittakose müssen alle Bestände, mit denen der Vogel in der Vergangenheit in Kontakt war, behandelt werden. Die Zuchtgenehmigung soll sicherstellen, dass die Herkunft eines Vogels zurückverfolgt werden kann. Dies geschieht mithilfe der Fußringe, die der Züchter nur nach Vorlage der behördlichen Zuchterlaubnis erhält.

2.) Fachkenntnis
Um eine Zuchtgenehmigung zu bekommen, muss der Vogelhalter eine Sachkundeprüfung ablegen. Diese soll in erster Linie dafür sorgen, dass er das nötige Wissen besitzt, um bei Psittakose richtig zu handeln. Darüber hinaus werden in der Regel aber auch andere Fachgebiete geprüft. Wer seine Wellensittiche in Sachen Nachwuchs gewähren lassen möchte, muss über artgerechte Haltung, Ernährung (speziell in der Zuchtvorbereitung und während der Aufzucht) und mögliche Komplikationen informiert sein. Wer nicht weiß, wie er sich z. B. bei einer Legenot, rupfenden Eltern oder dem Tod eines Elternteils verhalten muss, riskiert damit das Leben seiner Vögel und deren Küken.